Nachbarschaft

Veröffentlicht am 15.07.2020 von Julia Weiss

Am Leipziger Platz hat ein privates Museum über die Geschichte der Berliner Mauer eröffnet. Der Initiator Jörg Moser-Metius hatte 2010 die Gesellschaft Berlin Wall Exhibition UG mit dem Ziel gegründet, den DDR-Wachturm in der benachbarten Erna-Berger-Straße als Pächter zu sanieren und ihn gegen Eintritt zugänglich zu machen. Aus langjähriger Beschäftigung mit dem Thema entstand ein Fundus an Fotos und Archivalien. Als ein Ladengeschäft am südöstlichen Rand des Leipziger Platzes frei wurde, sah er seine Chance und schuf sich dort sein eigenes Museum.

Zu sehen ist dort allerhand originales Material, ein Stück Grenzzaun etwa, die obligatorische Kalaschnikow der DDR-Grenzer in zweifacher Gestalt, Warnschilder wie „You are leaving the American sector“ und „Halt Staatsgrenze! Passieren verboten!“ oder eine alte Stacheldrahtrolle, noch unbenutzt. Panzersperren aus alten Eisenbahnschienen stehen rechts und links des Eingangs auf wuchtigen Betonquadern. Zwei als DDR-Grenzer uniformierte Schaufensterpuppen hinter Glas geben den Besuchern eine gruselige Anmutung von der versunkenen Welt des Kalten Krieges.

Der Schwerpunkt liegt auf Fotos mit knappen Texten, geordnet zu Themenbereichen wie der Situation an der Bernauer Straße in den ersten Mauertagen oder der Entwicklung der Grenzbefestigungen, von den ersten Stacheldrahtrollen über schlampig zusammengemörteltes Mauerwerk, bis zu den abgewinkelten Betonelementen der letzten Bauphase. Auch der Alltag der Grenzer hat seine Ausstellungsecke bekommen, ebenso das friedliche Ende des Mauerregimes, unter besonderer Würdigung der „Heldenstadt“ Leipzig.

Mit seiner Ausstellung will Moser-Metius auch einige Legenden geraderücken, etwa die um das berühmte Foto des Volkspolizisten Conrad Schumann beim Sprung über den Stacheldraht in die Freiheit. Der Fotograf Peter Leibing schuf damit ein ikonografisches Bild des Kalten Krieges, war aber keineswegs der einzige. In der Ausstellung sind sechs weitere Aufnahmen der bekannten Szene zu sehen. – Text: Andreas Conrad/Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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