Intro

von Madlen Haarbach

Veröffentlicht am 03.01.2018

Ich hoffe, Sie sind gut in das neue Jahr gekommen und ich freue mich, dass Sie auch 2018 wieder reinlesen.

Die berüchtigte Neuköllner Silvesternacht hat leider Opfer gefordert. In der Karl-Marx-Straße brannte das Bading-Musikhaus komplett aus. Unklar ist, ob bei dem anschließenden Löscheinsatz die Feuerwehrleute „massiv beschossen“ wurden, wie Zeugen auf Facebook berichten. Die Feuerwehr berichtet darüber nichts. Klar ist nur, dass die Polizei wegen „schwerer Brandstiftung“ gegen Unbekannt ermittelt. Aus einer Gruppe von 50 Personen heraus sollen zwei Angreifer das Glas einer Ladentür mit Feuerwerkskörpern durchschlagen und anschließend weitere Pyrotechnik hineingeworfen haben, woraufhin sich das Feuer entzündete.

Am 1. April 1919 öffnete die Musikalienhandlung Musik-Bading zum ersten Mal ihre Türen. Das Sortiment umfasste von Anfang an von Notenblättern für Musik aller Gattungen über Musikinstrumente bis hin zu Schallplatten und CDs alles, was das Herz musikalischer Liebhaber*innen begehrt. Gründer Erich Bading entstammte übrigens einer der ältesten und wohlhabendsten Rixdorfer Bürgerfamilien. Einen umfangreichen Überblick über die Geschichte des Musikhauses finden Sie auf neukoellner.net. Warum das Geschäft bei Kund*innen so beliebt war, lesen Sie unter anderem auch in einer Reportage der Berliner Zeitung.

Ob die Musikalienhandlung je wieder eröffnet werden kann, ist ungewiss. Zuletzt wurde sie von der mittlerweile 94-jährigen Tochter des Gründers, Brünhilde Schibille, und Dieter Götz betrieben, der auch bereits vor zwei Jahren das Rentenalter erreichte. Götz erzählte mir am Telefon, dass die Betreiber*innen völlig am Boden zerstört seien. Er sei kurz in den Räumen gewesen, die vom Geschäft übrig sind – und glaube nicht, dass das Geschäft je wieder eröffnet werden könne.

Drei Frauen wurden von der Feuerwehr aus ihren Wohnungen über dem Ladengeschäft geholt, zwei kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus. Am frühen Neujahrsmorgen explodierte zudem in der Kirchhofstraße ein laut Polizei „bisher unbekannter Sprengsatz“. Durch die Druckwelle flogen Teile des Sprengsatzes umher und zerstörten mehrere Fensterscheiben im Erdgeschoss des Hauses. Zudem wurden im Radius von ungefähr 15 Metern zehn Fahrzeuge beschädigt. Verletzt wurde niemand.

Was an Silvester sonst so in Berlin los war, lesen Sie hier. Der Berliner Linken-Politiker Hakan Tas fordert übrigens ein Böllerverbot für die Hauptstadt – das würde vielleicht auch die Lage in Neukölln etwas entspannen. Von einer Verbesserung der Luftqualität (Feinstaub!) und einer Entlastung von Haus-und Wildtieren, Kindern, sensiblen und alten Menschen ganz zu schweigen. Was meinen Sie? Schreiben Sie mir gerne!

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail