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von Madlen Haarbach

Veröffentlicht am 17.01.2018

ein sichereres Fahrradfahren könnte bald möglich werden – auch wenn das Berliner Radgesetz weiter auf seine Verabschiedung wartet (taz.de). Vergangene Woche segnete der Ausschuss für Straßen, Grünflächen und Ordnung der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einen Einwohnerantrag in leicht geänderter Form ab.

Der Antrag, der vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln und etwa 1.300 Unterzeichner*innen unterstützt wird, schlägt konkrete Maßnahmen vor, die Neukölln in einen fahrradfreundlichen Bezirk verwandeln sollen. Das Bezirksamt soll sich beim Berliner Senat etwa für eine entsprechende Infrastruktur, beispielsweise farblich abgesetzte Radstreifen, einsetzen. Auch die Oberflächen auf Radfahrstreifen sollen verbessert und geeignete Fahrradabstellmöglichkeiten, bis hin zu Fahrradparkhäusern, geschaffen werden. Bauliche Maßnahmen wie Bremsschwellen und Einbahnstraßenregelungen sollen Geschwindigkeitsüberschreitungen verhindern. Falschparker sollen effektiver kontrolliert werden. Außerdem soll das Bezirksamt selbst eine Vorreiterrolle einnehmen: Für die Mitarbeiter*innen sollen Dienstfahrräder und Pedelecs angeschafft und ihnen die Teilnahme an einem Fahrradleasingprogramm ermöglicht werden. „Um das Thema Radfahren in der Öffentlichkeit stärker zu verankern, wird sich der Bezirk dafür einsetzen, dass der Berliner Senat jährlich eine große Fahrradkonferenz veranstaltet“, heißt es weiter in dem Papier.

Der Antrag soll nun auf der kommenden Bezirksverordnetenversammlung am 24. Januar beschlossen werden. Der Ausschuss-Vorsitzende Marko Preuß (SPD) zeigte sich zuversichtlich: „Ich freue mich über die gute und konstruktive Atmosphäre, in der wir das so wichtige Anliegen hier im Ausschuss behandelt haben, und hoffe, die BVV wird unserer Empfehlung folgen.“

Auch das Radnetzwerk begrüßte den Schritt: „Mit dem Fahrradstraßen-Abschnitt im Norden der Neuköllner Weserstraße hat der Bezirk gezeigt, dass er kann, wenn er will: Vorfahrt für die Fahrradstraße, Stop für Querverkehr, kleinere Umbauten – das war schon vorbildlich für Berliner Verhältnisse“, sagt Jan Michael Ihl vom Netzwerk. „Aber davon braucht Berlin mehr, damit mehr Leute das Auto stehen lassen und aufs Rad umsteigen. Und mehr Kontrollen, damit sich auch Auto-Rowdies an die Regeln halten, z.B. an Parkverbote, Tempolimits und Anlieger-frei-Beschilderung.“ Auf die Entscheidungen müssten nun möglichst bald konkrete Maßnahmen folgen: „Richtig gut wäre, wenn Neukölln 2018 ein paar wichtige Projekte anpackt, die wir schon lange fordern: sichere Lösungen in der Hermannstraße und Sonnenallee, Modalfilter, damit Kieze wirksam verkehrsberuhigt werden und das Weigandufer endlich (nach dem BVV-Beschluss im Januar 2016) zur Fahrradstraße machen – idealerweise als Teil eines Radschnellwegs aus dem Neuköllner Süden.“

Wird Neukölln also bald zum Vorreiter… äh -fahrer in Punkto Radsicherheit, gar zum Radfahrerparadies? Welche Maßnahmen würden Sie sich wünschen? Schreiben Sie mir gerne. Mehr zu den Plänen für das Weigandufer lesen Sie auch unter „Namen & Neues“.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel und begeisterte Radfahrerin. Nach einigen Nahtod-Erlebnissen im Straßenverkehr hofft sie, dass schon bald konkrete Maßnahmen für mehr Radfreude umgesetzt werden. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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