Intro

von Madlen Haarbach

Veröffentlicht am 08.08.2018

wann haben Sie das letzte Mal richtig tief durchgeatmet? Im Urlaub außerhalb der Stadt? Das war wahrscheinlich auch besser so. Denn die Luft gerade entlang der Neuköllner Hauptstraßen ist alles andere als sauber, die Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung liegt teilweise deutlich über den Grenzwerten. Bei letzterer nahmen die Karl-Marx- und die Silbersteinstraße vergangenes Jahr gar traurige Spitzenpositionen ein (rbb24.de).

Grund genug für die frisch gegründete Initiative „Saubere Luft für Neukölln“, der Karl-Marx-Straße den „Dirtiest Street Award“ zu verleihen. Bei ihrer ersten Demonstration vergangenen Freitag forderten sie saubere Luft, ruhige und sichere Gemeinschaftsorte, Geschwindigkeitsbegrenzungen, bessere Radinfrastruktur und weniger Dieselfahrzeuge.

In der Bezirksverordnetenversammlung treiben etwa die Grünen das Thema voran: In einer Drucksache fordern Sie das Bezirksamt dazu auf, sich beim Senat dafür einzusetzen, in Zukunft regelmäßig zum europaweiten autofreien Tag am 22. September ein autofreies Bürger*innenfest auf einer der drei Hauptverkehrsstraßen des Bezirkes Neukölln durchzuführen.

Selbst das ist aber eigentlich noch ziemlich kurz gedacht – andere Städte weltweit sind da längst weiter. In Südamerika sind regelmäßige autofreie Tage teils seit Jahrzehnten üblich. Wie das etwa in Bogotá aussieht, habe ich vor einiger Zeit für Zeit Online aufgeschrieben – dort werden etwa auch jeden Sonntag zentrale Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Wie Pläne etwa für Radmobilität in anderen Städten Europas umgesetzt werden, hat Kollege Ulrich Stock für das Zeit Magazin getestet. Und auch die Serie „Sauber durch die Stadt“ von Zeit Online setzt sich mit verschiedenen Maßnahmen für sauberen Verkehr weltweit auseinander.

Haben Sie selbst Vorschläge, wie die Neuköllner Luft sauberer werden könnte? Schreiben Sie mir gern.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel – und ist froh, dass die Luft in ihrer Nebenstraße deutlich sauberer ist als in der Karl-Marx-Straße. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail

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