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von Madlen Haarbach

Veröffentlicht am 27.03.2019

in Berlin herrscht Wohnungsmangel, viele fordern eine massive Ausweitung des Neubaus. Doch was passiert eigentlich, wenn dann mal so ein Haus neu gebaut wurde? Schauen wir einmal auf einen etwas kuriosen Fall, die Weserstraße 139. Das Haus wurde im November 2017 fertiggestellt – und steht nach wie vor leer.

Eine Leserin schrieb bereits im vergangenen Sommer, dass dies doch äußerst seltsam sei. Demnach wurde über die warmen Monate regelmäßig gelüftet, der Rasen vor dem Haus gesprengt, Graffiti wurden entfernt. Nur eingezogen ist niemand.

Das Bezirksamt bestätigte im Juli, dass es mit der Eigentümergesellschaft in Kontakt sei und den Fall auf eine mögliche Zweckentfremdung prüfe. Aus der Eigentümergesellschaft selbst hieß es damals, dass Verhandlungen mit verschiedenen Mietinteressenten geführt worden seien. „Teilweise waren jedoch bezogen auf konkrete Einzelfälle rechtliche Fragen hinsichtlich der Verwendungsmöglichkeit zu klären (z.B. als Sozialimmobilie). Diese Klärung hat – zu unserem eigenen Bedauern – erhebliche Zeit in Anspruch genommen“, sagte der Sprecher der Eigentümergesellschaft im Juli. Und betont: „Das Haus ist für uns in keinster Weise ein Spekulationsobjekt. Die technischen und rechtlichen Hürden, die bislang zu nehmen waren, sind auch für uns unerfreulich.“ Aufgrund dieser Schwierigkeiten würde über die Umwandlung in Eigentumswohnungen nachgedacht.

Was ist danach passiert? Nicht viel. Im Oktober hängten Aktivist*innen vom Bündnis #besetzen ein Banner an das Haus, das zur Besetzung der leer stehenden Immobilie aufrief.

Auf eine erneute Anfrage erklärt der Sprecher der Eigentumsgesellschaft, dass der Neubau mittlerweile in Eigentumswohnungen aufgeteilt wurde, die auch bereits verkauft worden sein sollen. „Dass diese noch nicht bezogen werden konnten, liegt an dem vorgelagerten mehrstufigen Verfahren beim Grundbuchamt, auf dessen Dauer weder die Käufer noch die Verkäufer Einfluss haben. Beide Seiten erwarten jedoch, dass die formalen Voraussetzungen für die Wohnungsübergaben in naher Zukunft erfüllt sind und das Objekt dann endlich seiner bestimmungsgemäßen Nutzung zugeführt werden kann“, so der Sprecher. Und weiter: „Auf Grund massiver Angriffe aus der Hausbesetzer-Szene (Farbbeutel, Graffiti, Plakate, Vandalismus…) gegen Ende des letzten Jahres haben wir für die Nachbarn und generell an dem Objekt Interessierte ein Plakat aufgehängt, das über die Entwicklung informiert.“

Dieses Plakat, ein Foto liegt mir vor, kündigt den Einzug von elf Familien für den Jahresbeginn 2019 an. „Für den bisherigen Leerstand bitten wir um Verständnis, haben diesen aber nicht allein zu verantworten. Wir bitten höflich um Kenntnisnahme und um den Verzicht auf weitere fragwürdige Hinweise und Aktionen bezüglich des Leerstandes“, heißt es auf dem Plakat.

Stand Mittwoch, 27. März 2019, rund 18 Monate nach Fertigstellung, steht das Haus nach wie vor leer.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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