Kultur

Streit bei neuen Trägerinnen der Werkstatt der Kulturen

Veröffentlicht am 12.02.2020 von Madlen Haarbach

Sie wollten das migrantische Kulturzentrum Werkstatt der Kulturen (WdK) neu aufstellen – und sind nun offenbar an ihren eigenen Visionen gescheitert. Erst zum Jahresanfang haben Louna Sbou, Nina Martin, Nathalie Mba Bikoro, Tmnit Zere und Saskia Köbschall die Trägerschaft der WdK übernommen. Nun hat sich das Team zerstritten. In einem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, erklären Tmnit Zere und Saskia Köbschall ihren Austritt als Gesellschafterinnen der neu gegründeten Trägerin „Kultur NeuDenken“. Nathalie Bikoro legt parallel ihr Amt als Künstlerische Leiterin des Hauses nieder. In der WdK verbleiben demnach Louna Sbou und Nina Martin, die außerdem Betreiberinnen des sogenannten Anti-Cafés „Be’kech“ in Wedding sind.

Zere, Köbschall und Bikoro begründen ihre Entscheidung mit den „Ereignissen der letzten Wochen“, ohne näher ins Detail zu gehen, was vorfiel. Sie würden „die Umsetzung unseres Konzepts für die Etablierung eines dekolonialen, queerfeministischen und kritischen Kunst- und Kulturortes für migrantisch-diasporische Communities in Gefahr sehen“. Außerdem wollen die Frauen sich mit ihrem Austritt der „Verantwortung für die Rolle, die wir im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Ausschreibung des Kulturstandortes Wissmannstraße gespielt haben“, stellen (tagesspiegel.de).

Der Berliner Migrationsrat erklärt in einem öffentlichen Statement, dass er den Trägerwechsel damit als „gescheitert“ ansieht. „Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass der Senat nicht erfolgreich allein darüber entscheiden kann und sollte, wer die Werkstatt der Kulturen leitet und was darin geschieht“, heißt es in dem Schreiben. „Wir fordern eine öffentliche Positionierung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa zum aktuellen Betriebsstand der ehemaligen Werkstatt der Kulturen. Weiterhin fordern wir eine transparente Darlegung, wie, mit wem und mit welchen Mitteln die Werkstatt ihre Ziele in den nächsten fünf Jahren erreichen soll“, wird Trang Thu Tran, Vorständin des Migrationsrates, zitiert.

Wie es in der ehemaligen Werkstatt der Kulturen weitergeht, ist unklar. Auf der Webseite der „Kultur NeuDenken“ wird aktuell die Neueröffnung für den 14. März angekündigt. Weitere Informationen sind nicht mehr einsehbar. Klar ist bislang nur eines: Vom 30. März bis 1. April soll laut Ankündigung die „Edge Conference“ in den Räumlichkeiten stattfinden. Dabei handelt es sich um ein Treffen selbsterklärter Philantroph*innen und Startup-Gründer*innen aus dem sozialen Bereich, die bei der Konferenz netzwerken und Finanzierungsmöglichkeiten debattieren wollen. Geplant sind Podiumsdiskussionen, Workshops und gemeinsames Yoga. Die Teilnahmegebühr für die Konferenz betrug zwischen 790 und 1150 Euro, mittlerweile sind offenbar alle Plätze verkauft. Nach einer Veranstaltung, die offen für alle ist, klingt das nicht.