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Prachttomaten fordern soziales Modellprojekt

Veröffentlicht am 26.02.2018 von Madlen Haarbach

Die Gärtner*innen des Gemeinschaftsgartenprojektes „Prachttomate“ im Rollbergkiez fordern die Stadt Berlin in einem offenen Brief dazu auf, Stadtrat Biedermann bei der Ausübung des Vorkaufsrechtes für das von ihnen genutzte Grundstück zu unterstützen. Wie berichtet wurde eine von den drei Teilflächen, auf denen sich der Garten befindet, kürzlich verkauft und den Prachttomaten in diesem Zusammenhang bereits vergangenes Jahr gekündigt. Laut Informationen der Gärtner*innen sollen auf der betroffenen Fläche nun ausschließlich Eigentumswohnungen entstehen. Da die Fläche im Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße liegt, hätte das Bezirksamt die gesetzliche Möglichkeit, das Vorkaufsrecht anzuwenden und dies zu verhindern.

Die Gärtner*innen träumen von einer Mischung aus Garten, sozialem Wohnen und sozialer Infrastruktur, die auf dem Gelände und einer benachbarten Fläche entstehen könnte. Sie regen unter anderem die Errichtung eines Kieztreffs, von Sportangeboten wie einer Kletterwand und den Ausbau der benachbarten Kita zur „grünen“ Kita an. Außerdem solle der Garten (oder Teile des Gartens) langfristig als Bildungsstandort etabliert und erhalten werden. Der gesamte Komplex könnte so ein soziales Modellprojekt bilden.

Die Frist für die Prüfung eines möglichen Vorkaufsrechtes endet Mitte März. Stadtrat Biedermann muss die Hoffnungen der Gärtner*innen jedoch enttäuschen. Da es sich bei der betreffenden Fläche um Bauland zu marktüblichen Preisen handele, sei der Kostenaufwand im siebenstelligen Bereich für die Stadt Berlin in diesem Fall zu hoch. „Wir haben uns mit dem Erwerber darauf geeinigt, dass er eine hintere Fläche dauerhaft für den Gemeinschaftsgarten zur Verfügung stellt“, so Biedermann. Da Wohnungsbau und soziale Infrastruktur, wie im Sanierungsgebiet vorgesehen, damit gewährleistet seien, sei die mögliche Anwendung des Vorkaufsrechtes in dem Fall auch schwer zu rechtfertigen.

Biedermann weist zudem darauf hin, dass auch im Falle eines Vorkaufs durch die Stadt Berlin der Erhalt des Gartens nicht gesichert sei, da auch hier der Wohnungsbau und andere soziale Infrastruktur Priorität habe. „Ich glaube, wir haben einen Kompromiss erreicht, der allen Beteiligten in gewissem Rahmen gerecht wird“, so Biedermann, „auch wenn ich die Ablehnung von Seiten der Gärtner individuell nachvollziehen kann.“ Es hinge somit von den Prachttomaten ab, ob sie bereit seien, den Kompromiss zu akzeptieren. Gleichzeitig stellte Biedermann in Aussicht, gegebenenfalls auch bei der Suche nach anderen Freiflächen für den Garten behilflich sein zu können.

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