Namen & Neues

Ideen für ein umweltgerechteres Neukölln

Veröffentlicht am 15.08.2018 von Madlen Haarbach

Vergangene Woche habe ich Ihnen erzählt, dass die Karl-Marx-Straße als „dreckigste Straße“ ausgezeichnet wurde. Doch wie könnte Neukölln sauberer, ruhiger und umweltfreundlicher werden? Der Bezirksverordnete Christian Hoffmann (Grüne), der den erwähnten Antrag auf ein autofreies Straßenfest am 22. September gestellt hat, schreibt, dass er längst weiter denke, was die „richtige Richtung“ für den Neuköllner Verkehr betreffe. Der aktuelle Antrag habe jedoch bereits für einige Diskussionen gesorgt und Kommunalpolitik müsse sich in kleinen Schritten bewegen. Die „richtige Richtung“, damit meint Hoffmann „ein Umdenken zu einer zeitgemäßen, modernen Verkehrspolitik, die bereit ist, die zur Verfügung stehenden Räume neu und angemessen zu verteilen“.

Für eine „menschengerechte und gesunde Stadt“ benötige Neukölln: attraktivere Rad- und Fußverkehrsangebote, geschützte Fahrradspuren an allen Magistralen, geeignete Fahrradstraßen mit Geschwindigkeitsreduzierung, mehr Fahrradabstellplätze (auch unter Nutzung bisheriger Autoparkplätze), eine konsequente Durchsetzung der bestehenden Verkehrs- und Parkregeln für alle Verkehrsteilnehmer*innen, eine Parkraumbewirtschaftung zumindest in Nord-Neukölln,  Verkehrslenkungsmaßnahmen wie Einbahnstraßen und Sperren und einen Ausbau des ÖPNV. Dieses Gesamtpaket benötige allerdings sicherlich bis zu drei Jahrzehnte, rechnet Hoffmann vor und betont die Notwendigkeit eines Bürger*innendialogs.

Herbert Lohner, Referent für Naturschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), verweist in einer Zuschrift auf die Umweltgerechtigkeitskarten des Berliner Senats. In diesen wird unter anderem die Lärmbelästigung, Luftbelastung, Grünversorgung und das Bioklima mit der sozialen Problematik straßenabschnittsweise kontrastiert. „Umweltgerechtigkeit meint – sehr verkürzt – dass jeder Mensch in Berlin, unabhängig von seinem sozialen Status,  das Recht auf eine saubere Umwelt (weniger Lärm und Schadstoffe, mehr Grün, etc) hat“, schreibt Lohner. Bezirke wie Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf seien aktuell bestrebt, die Konzepte der Umweltgerechtigkeit in die Bezirkspolitik einfließen zu lassen. „Neukölln würde dies im übrigen auch gut anstehen“, meint Lohner.

Leute-Leser Peter Wulf bringt noch eine andere Idee ein und plädiert für eine Entspannung des Verkehrs durch die Umwandlung in Einbahnstraßen. Ein Vorbild könnte etwa London sein: „Es ist zwar schon Jahre her, dass ich in London  mit meinem VW herumgefahren bin“, schreibt er. Er erinnert sich jedoch daran, dass in London Autos an Kreuzungen nicht mehr nach rechts, sondern nur nach links abbiegen durften. Staus durch Rechtsabbieger wurden so verhindert, da niemand die Kreuzung queren musste (Man beachte hierbei den in London geltenden Linksverkehr). Parallel seien „in London und anderen alten Großstädten die Strassen sehr schmal, zu schmal für Verkehr in zwei Richtungen, Parkplätze, Radfahrer, Anlieferung“. Daher seien Einbahnstraßen üblich, durch die ein Teil der Straßen für eine Radfahrerspur und den Lieferverkehr frei würde. Gleichzeitig verteilt sich der Verkehr auf mehr Straßen, wodurch weniger Abgase und Staub entstünden, schreibt Wulf.

Und auch für ein anderes Problem hat Wulf einen Vorschlag: Um die Gefahr von abbiegenden LKW, die regelmäßig Radfahrende übersehen, zu minimieren, schlägt er Abbiegespiegel vor – und zwar nicht an den LKWs, sondern direkt neben dem grünen Licht der Ampeln. Hier müssen die Fahrer*innen ja eh hinblicken, so die Argumentation – und würden dann auch die Radfahrenden und Zufußgehenden sehen.

Eine umfassende Analyse über den Klimawandel in Berlin meiner Kollegin Sabine Ehlerding lesen Sie auf digitalpresent.tagesspiegel.de.

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