Namen & Neues

Mieter hinter Planen

Veröffentlicht am 06.02.2019 von Julia Weiss

Als das Haus in der Emser Straße 27 den Eigentümer wechselte, vermuteten die Mieter nichts Gutes. Einen Monat später hatten sie ein Schreiben im Briefkasten, das eine Modernisierung der Fassade ankündigte. Die ist im Milieuschutzgebiet allerdings nur erlaubt, wenn die Fassade zu mindestens zehn Prozent schadhaft ist. Das war nach Aussage des Voreigentümers nicht der Fall. Die Sache war vom Tisch – dachten die Mieter zumindest.

Im Oktober kündigt die Hausverwaltung Sanierungsarbeiten an. Diese müssen nicht genehmigt werden. Dagegen hatten die Mieter auch nichts einzuwenden. Als im November allerdings eine blickdichte Plane vor dem Haus angebracht wurde und Stücke des Putzes abgeschlagen wurden, erregte das einen Verdacht: „Wir glauben, dass hier Tatsachen geschaffen wurden“, sagt ein Mieter. „Die abgeschlagenen Stellen könnten über zehn Prozent der Fassade ausmachen. Außerdem können wir jetzt nicht mehr beweisen, dass die Fassade nicht schadhaft war.“ Die Geschehnisse haben die Bewohner in einem eigenen Blog dokumentiert.

Ob der Verdacht der Mieter plausibel ist, will Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) nicht bewerten. „Vielleicht will der Eigentümer auch schadhafte Stellen entfernen und erneuern. Das wäre erlaubt“, sagt er. Die Modernisierungsankündigung an die Mieter sei allerdings verdächtig. Das Bezirksamt will den Fall nun genau beobachten. „Im Zweifelsfall läuft das auf einen Rechtsstreit hinaus“, sagt Biedermann. Die Eigentümer des Hauses waren bis zu Redaktionsschluss nicht erreichbar.

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