Namen & Neues

Mieterinitiativen beklagen rücksichtslose Modernisierungen in der Gropiusstadt

Veröffentlicht am 13.03.2019 von Madlen Haarbach

„Wir modernisieren für Ihr Wohlbefinden. Die Zufriedenheit unserer Mieter hat für uns höchste Priorität“, heißt es auf der Webseite der Gropiuswohnen. In den Augen vieler Mieter*innen klingt das wie purer Hohn. Die Mieterinitiativen ULLI und Löwensteinring 23/25 werfen dem Vermieter in einer Pressemitteilung rücksichtlose Modernisierungsmaßnahmen und Profitorientierung vor, das Geschäftsgebaren stehe jenem größerer Vermieter wie Vonovia und Deutsche Wohnen in nichts nach.

Die Gropiuswohnen gehört mit rund 4000 Wohneinheiten in über 40 Gebäuden zu den größten Vermietern in der Gropiusstadt. Konkret beklagen die Initiativen, dass die Gropiuswohnen mit Modernisierungsmaßnahmen die Mietpreisbremse umgehen wolle. „Nach der Modernisierung von 7 Gebäuden im Löwensteinring sind nun auch unsere Häuser im Ulrich-von-Hassel-Weg 5/7 sowie der Lipschitzallee 59/61 betroffen. Uns erwarten Modernisierungsumlagen von bis zu 250 Euro. Besonders bedrücken uns die energetischen Maßnahmen, deren Nutzen zweifelhaft ist und vielerorts zu Problemen wie Schimmelbefall führt“, schreiben die Mieter*innen.

Besonders deutlich zeige sich die Rücksichtslosigkeit etwa am Fall der Familie Tillak aus der Lipschitzallee 61. Bei Einzug im Juni 2018 war Sonja Tillak demnach gerade schwanger. Sie habe sich zuvor bei der Gropiuswohnen erkundigt, ob demnächst Bauarbeiten im Gebäude anstehen, heißt es in der Pressemitteilung. Der Vermieter habe daraufhin versichert, dass frühestens in zwei Jahren saniert werden solle. Doch bereits im Oktober 2018 sei die Modernisierungsankündigung eingetroffen, die Bauarbeiten von Februar bis Dezember 2019 verkündete. Der Sohn der Familie Tillak ist aktuell sechs Monate alt, laut Angaben der Mieterinitiativen verweigere die Gropiuswohnen bislang jegliche Maßnahmen zum Schutz vor Staub und Lärm.

Die Gropiuswohnen weist die Vorwürfe auf Anfrage zurück. „Die Gropiuswohnen umgeht durch Modernisierungsmaßnahmen nicht die Mietpreisbremse“, schreibt das Unternehmen. Und weiter: „Gropiuswohnen hat in den vergangenen Jahren deutlich mehr in die Instandhaltung investiert als kommunale Gesellschaften. Mieter sind unsere Kunden. Luxussanierung erfolgt nicht. Die Fluktuation der Mieter ist sehr gering – auch nachdem Modernisierungen umgesetzt wurden. Unser Ziel ist, dass die Mieterschaft erhalten bleibt. Kein Mieter wird herausmodernisiert.“ Auch die Behauptung, dass die energetischen Maßnahmen einen zweifelhaften Nutzen hätten, sei falsch. „Wir setzen Mindeststandards nach der vom Gesetzgeber geforderten EnEV um“, schreibt das Unternehmen. Schimmelprobleme in den sanierten Häusern seien nicht bekannt. Zu Einzelfällen wie der Familie Tillak will sich das Unternehmen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern. Gropiuswohnen werde grundsätzlich Maßnahmen umsetzen, „die vor Schmutz und Staub schützen und die Belastung durch Sanierungsarbeiten soll so niedrig wie möglich gehalten werden“. Mieter*innen würden in den kommenden Tagen über einen angemessenen Aufwendungsersatz für einen Ersatzwohnraum informiert. 

Um gegen die Modernisierungsmaßnahmen zu protestieren, veranstalten die Mieterinitiativen am Donnerstag, 14. März, eine Lärmdemo durch die Gropiusstadt. Los geht es um 14 Uhr am Lipschitzplatz.

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