Namen & Neues

Neukölln weitet Milieuschutzgebiete aus - Mehr Schutz auch für die Hasenheide 71

Veröffentlicht am 03.04.2019 von Madlen Haarbach

„Nehmt Abschied, Nachbarn, ungewiß
ist alle Wiederkehr,
die Zukunft liegt in Finsternis
und macht das Herz uns schwer.
Der Himmel wölbt sich übers Land,
Adé, auf Wiedersehen!
Wir alle sind in Mährens Hand.
Lebt wohl auf Wiedersehen.“

Der deutsche Text zum schottischen Volkslied „Auld Lang Syne“ war der Soundtrack des wohl ersten „Kreuzköllner Rudelsingen gegen Verdrängung“ am 16. März in der Hasenheide. Im „Rudelchor“ IGEL singen Betroffene der Immobilienspekulation gegen Mietenwahnsinn, Verdrängung und den Ausverkauf nicht nur der Hasenheide. Das Haus mit der Nummer 71 wurde am 1. Januar an den Investor Jakob Mähren verkauft. Mähren, selbsterklärter „dynamischer Investor“, ist so etwas wie der Influencer unter den Berliner Investoren. Auf seiner Instagram-Seite sieht man ihn in Infinity-Pools auf den Seychellen oder vor Hubschraubern in den Dolomiten. Immerhin 94.300 Menschen wollen das sehen und folgen seiner Seite.

Im Interview mit meinem Kollegen Laurenz Schreiner empfahl Mähren Mieter*innen, die ihre Verdrängung fürchten, ihre Wohnungen einfach zu kaufen. Das sei auch für Handwerker kein Problem. Bei Investoren, die Häuser kaufen würden, sehe er „eine falsche Panikmache“, so Mähren.

Panik ist bei den Mieter*innen der Hasenheide 71 nicht zu sehen – eher Mut zum Widerstand. Mit „kunst- und kulturlastigen Aktivitäten“ will die Hausgemeinschaft sich auch weiterhin zur Wehr setzen, schreibt ein Mieter dem Tagesspiegel. Der Kreuzköllner Rudelchor wehre sich mit einem bunten Liedermix: Von „Bruder Jakob“ für Jakob Mähren über umgedichtete Volkslieder, dem kleinen grünen Kaktus als IGELvariante, „Die Gedanken sind frei“ für die Geheimdienste bis zu „Heute hier, morgen dort“ und „Nehmt Abschied, Brüder“. Beim ersten gemeinschaftlichen Singen Mitte März trällerte auch Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) mit.

Dabei sah die Situation bis vor wenigen Tagen kompliziert aus: Die Häuserblocks am nördlichen Rand der Hasenheide waren einer der wenigen „weißen Flecken“ in punkto Milieuschutz in Nord-Neukölln. In den vorbereitenden Milieuschutzuntersuchungen im Sommer 2016 wurden Teile des Untersuchungsgebietes nicht als Milieuschutzgebiet festgesetzt, erklärte Stadtrat Biedermann.

Die Abteilung für Stadtentwicklung brachte dann allerdings am 20. März eine dringliche Vorlage zur Beschlussfassung in die Bezirksverordnetenversammlung ein – mit der die Milieuschutzgebiete ausgeweitet wurden. Die BVV stimmte mehrheitlich zu. Seit dem 27. März ist daher amtlich: Neben den Häusern an der Hasenheide fällt nun auch das Gebiet zwischen Rollberg- und Thomasstraße, Karl-Marx-Straße und Hermannstraße unter die Milieuschutzverordnung. Damit ist der gesamte nördliche Ortsteil nun Milieuschutzgebiet – und die Bewohner*innen etwa der Hasenheide 71 sind besser vor etwa der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen geschützt.

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