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„The Bread Station“ droht extreme Mieterhöhung

Veröffentlicht am 10.07.2019 von Julia Weiss

Magnus Grubbe muss wohl bald mehr für seine Brötchen verlangen. Denn für die beliebte Kreuzköllner Bäckerei „The Bread Station“ könnte bald eine saftige Mieterhöhung fällig werden – von 18 auf 32 Euro pro Quadratmeter. Im September dieses Jahres läuft der Fünfjahres-Vertrag für den Laden am Maybachufer aus. Der Eigentümer signalisierte Grubbe, bereits andere Interessenten an der Hand zu haben. Die seien bereit, 35 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. „Ich würde auf einen Schlag 2000 Euro mehr Miete im Monat zahlen“, sagt der Ladeninhaber.

Grubbe fühlt sich unter Druck gesetzt. „Ich habe mich umgehört, die ortsübliche Miete für Gewerbe liegt in der Gegend bei 25 Euro“, sagt er. Er habe sich auch schon andere Läden angesehen. Dann müsste er aber seinen Kunden den Rücken kehren. Außerdem habe er bereits sehr viel Geld in den Laden investiert. „Ich will auf alle Fälle bleiben“, sagt er.

Der Vermieter Robert Roggan bestätigt auf Nachfrage des Tagesspiegels, dass es mehrere Mietinteressenten gebe. Er selbst wolle sich keine goldene Nase verdienen, sondern lediglich seine Immobilienfirma rentabel halten. „Viele Mieter im Haus zahlen noch fünf Euro pro Quadratmeter für ihre Wohnungen“, sagt er. Durch den Mietendeckel könne er diese in den kommenden fünf Jahren nicht erhöhen. „Mir bleiben nur noch die Gewerbeflächen, auf denen ich eine marktübliche Miete verlangen kann“, sagt er.

Außerdem habe es in der Vergangenheit Streit gegeben. Weil Magnus Grubbe keine Lüftungsanlage eingebaut habe, hätten sich immer wieder Mieter in den darüber liegenden Wohnungen über Gerüche beschwert und Mietminderungen geltend gemacht. Grubbe verweist seinerseits darauf, dass er die Lüftungsanlage jederzeit einbauen will. Allerdings nur wenn er sicher weiß, dass er im Laden bleiben darf. „Kurz bevor der Vertrag ausläuft, will ich nicht so viel Geld investieren“, sagt er.

Magnus Grubbe in seinem Laden. Fotos: Thilo Rückeis

„The Bread Station“ würde die Mieterhöhung überleben, bestätigt der Inhaber. Der Laden laufe gut. Für andere Gewerbetreibende ist der Druck, der durch den Zuzug neuer zahlungskräftiger Kunden entsteht, dagegen existenzgefährdend. Das beobachtet Neuköllns Stadtrat für Stadtentwicklung Jochen Biedermann (Grüne). Handwerksbetriebe, Kitas und kleine Läden würden verdrängt.

„Für die Anwohner*innen ist das ein Problem, die keine zehnte Bar in ihrer Nachbarschaft brauchen und lieber einen Bäcker oder eine Kita hätten“, sagt Biedermann. „Ich sehe das mit großer Sorge, weil es unsere Kieze kaputt macht.“ Er plädiert für „Schutzmechanismen im Gewerbemietrecht“.

Magnus Grubbe und Robert Roggan hoffen nun beide auf eine Einigung. „Ich mag den Laden“, sagt der Vermieter Roggan. „Im Haus war schon früher eine Bäckerei und nun wieder, das gefällt mir.“ Magnus Grubbe hofft unterdessen auf ein Entgegenkommen beim Mietpreis. Dass der Eigentümer die Miete erhöhen will, könne er grundsätzlich verstehen – aber nicht diese extreme Steigerung.

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