Namen & Neues

BVV setzt sich für lntegrationsprojekte "Aufbruch Neukölln" und "Heroes" ein

Veröffentlicht am 06.11.2019 von Madlen Haarbach

Kazim Erdogan fürchtet um sein Lebenswerk: Anfang Oktober erhielt er einen Brief der Senatsverwaltung, in dem im verkündet wurde, dass sein Integrationsprojekt „Aufbruch Neukölln“ künftig nicht mehr mit 70.000 Euro jährlich gefördert wird (NL vom 9. Oktober). Eine andere Geldquelle hat Erdogan derzeit nicht. Der Verein ist vor allem für seine Selbsthilfe-„Väter“-Gruppen für türkische Einwanderer bekannt. Mittlerweile hat der Senat offenbar Gesprächsbereitschaft signalisiert und ein Angebot unterbreitet – allerdings mit deutlich weniger Fördermitteln als bislang. Das erklärte der Grüne-Fraktionsvorsitzende Bernd Szczepanski bei der Bezirksverordnetenversammlung vergangenen Mittwoch. Außerdem habe der Senat angedeutet, dass der Verein sich mittelfristig selbst um Gelder bemühen solle – das sei aber aufgrund des Tätigkeitsfeldes des Vereines gar nicht möglich, so Szczepanski weiter.

Noch dramatischer ist die Situation beim Integrationsprojekt „Heroes“: Auch das will der Senat künftig finanziell nicht mehr fördern. Ein anberaumter Gesprächstermin wurde offenbar kurzfristig abgesagt. Der Verein setzt sich gegen „Unterdrückung im Namen der Ehre“ ein, insbesondere im Rahmen von Gewaltprävention. In der BVV wurde das Projekt kontrovers diskutiert, insbesondere für seine Verbindungen zu dem deutsch-israelischen Autor Ahmad Mansour. Insbesondere der Linken-Verordnete Ahmed Abed kritisierte das Projekt, da Mansour aus seiner Sicht anti-muslimisch agiere.

In zwei Entschließungen sprach die Mehrheit der Verordneten beiden Projekten ihre Unterstützung aus und forderte das Bezirksamt auf, sich bei der Senatsverwaltung für eine Förderung beider Projekte einzusetzen. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) betonte, dass die Verhandlungen mit der Senatsverwaltung mit Rückenwind aus dem Bezirk vielleicht leichter seien. „Beide Projekte machen Teilhabe möglich und wollen Menschen über ihre tradierten Rollenbilder hinweg entwickeln helfen“, so Hikel weiter. Dass der Linken-Verordnete Abed „Heroes“ wegen seiner früheren Verbindungen zu Mansour nicht fördern wolle, sei „peinlich“: Abed solle sich dafür schämen, dass er die Ehrenamtlichen des Projektes hängen lasse, so Hikel weiter. Auch Thomas Licher, übrigens nach wie vor Fraktionsvorsitzender der Linken in der BVV (NL vom 19. Juni), erklärte, dass er zwar die Kritik an Mansour teile, das Projekt aber so sinnvoll sei, dass es weiterhin unterstützt werden müsse. – Text: Madlen Haarbach

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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