Namen & Neues

Realitätscheck: Warum die Angaben im Kita-Navigator nicht stimmen

Veröffentlicht am 13.11.2019 von Madlen Haarbach

Vergangenen Mittwoch schaltete die Berliner Bildungsverwaltung den neuen Kita-Navigator frei. Die Idee ist simpel: Auf der Webseite sollen Eltern mit wenigen Klicks herausfinden, in welchen Kitas in ihrer Nachbarschaft Kitaplätze frei sind. Ein erster Blick in den Navigator stimmt hoffnungsfroh – Viele Kitas, etwa im Reuterkiez, haben ein grünes Häkchen. Das soll heißen: Plätze frei im November 2019. Bei einer kurzen Stichprobe bei mehreren Kitas zeigt sich allerdings: Keine der angerufenen Kitas hat tatsächlich auch nur einen freien Platz. Ein Erzieher erzählt, dass vor kurzem einzelne Plätze frei gewesen seien, da Kinder umgezogen sind. Die seien aber schon längst wieder besetzt. Die Leiterin einer anderen Kita erklärt, dass die Plätze nur in der Theorie frei seien. Die Plätze, für die ihre Kita räumliche Kapazitäten und auch eine Betriebserlaubnis habe, seien tatsächlich nicht alle voll. Die freien könne sie aber gar nicht anbieten, da sie dafür kein Personal habe. Das Beispiel zeigt: Theorie und Praxis liegen nicht immer nah bei einander. Nur hilft das Eltern nicht, die auf der Suche nach einem Kitaplatz sind.

Eine Stichprobe meiner Kollegin Anke Myrrhe in Schöneberg zeigt, dass die Situation in anderen Bezirken ähnlich ist (tagesspiegel.de). Aus der Senatsverwaltung heißt es, dass die Kitas für die Meldung ihrer aktuell freien Plätze verantwortlich seien. Der Senat selbst habe gar keinen Einfluss, sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung. Wie die Kitas den zusätzlichen Verwaltungsaufwand leisten sollen, bleibt unklar. Bislang liefert der Navigator daher vor allem einen Überblick über Kitas in der Nachbarschaft und ihr Angebot.

Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) hält den Kita-Navigator auf Anfrage für eine nette Idee und eine ganz gute Übersicht. In der aktuellen Situation suggeriere der Navigator allerdings eine Auswahlmöglichkeit, die es in der Realität gar nicht gibt. Es sei für Eltern in hohem Maß frustrierend, wenn sie eine Kita anrufen würden und es den angegebenen freien Platz nicht gibt, sagt Liecke am Telefon. Aus Sicht der Kitas sorge dies für „unglaublich viel Arbeit“ und „Zusatzbelastung“.

Ein Grund für die falsche Darstellung sei vermutlich das derzeitige Meldeverfahren, das optimierungsbedürftig sei. Auch das Bezirksamt habe keine Möglichkeit, auf die Kitas einzuwirken, damit sie freie Plätze korrekt melden. In der aktuellen Situation, die eher eine Mangelverwaltung sei, helfe der Navigator Eltern nicht dabei, einen Platz zu finden, urteilt Liecke. „Es ist einfach nach wie vor so, dass wir nicht genügend Plätze frei haben, um den Bedarf zu erfüllen“, sagt Liecke und verweist in erster Linie auf fehlendes Personal.

Doch auch wenn zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich ausreichend freie Plätze vorhanden sein sollten, sei der Navigator nicht hilfreich, heißt es später von Hannes Rehfeldt, Sprecher des Jugendstadtrats. Erforderlich wäre eine Anzeige nach Altersgruppen: „Wenn eine Familie einen Kitaplatz für das einjährige Kind sucht, bringt es ihr nichts, wenn in der Kita 5 Plätze für 4-jährige Kinder frei sind“. Derartige Daten lägen aber derzeit nicht vor. „Solange das der Fall ist, ist der Kitanavigator schlecht deckende Kosmetik.“ – Text: Madlen Haarbach

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

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