Namen & Neues
Sozialarbeiter betreuen Drogenkonsument*innen an U-Bahnhöfen
Veröffentlicht am 20.11.2019 von Madlen Haarbach
Erinnert der U-Bahnhof Schönleinstraße (der sich formal auf Kreuzberger Territorium befindet), an „an Hieronymus Boschs Gemälde von der Hölle“? Das findet zumindest Checkpoint-Leser Jefferson Chase. Er spricht von Junkies, die brabbelnd herum stolpern und sich Heroin reinziehen, herumliegenden Röhrchen und angekokelten Alufolien. Erst vor kurzem hatten Bezirksamt und Polizei bei einem gemeinsamen Rundgang beschlossen, dem Drogenkonsum auch an den U-Bahnhöfen verstärkt zu begegnen. Am U-Bahnhof Schönleinstraße sollen etwa verwaiste Büdchen entfernt werden, um die soziale Kontrolle auf dem Bahnhof zu stärken. „Drogenkonsum im öffentlichen Straßenbild und wachsende Drogenkriminalität gehören zu den problematischen Begleiterscheinungen der wachsenden Stadt. Das bedeutet aber nicht, dass wir das als Bezirk hinnehmen werden“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) damals (NL vom 30. Oktober).
Seit kurzem kümmern sich auch zwei Sozialarbeiter des Trägers „Fixpunkt“ verstärkt um die Drogenabhängigen an den Bahnhöfen. Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) berichtet am Telefon, dass sie derzeit insbesondere an den Bahnhöfen Boddinstraße, Leinestraße und eben Schönleinstraße im Einsatz seien. Die Sozialarbeiter sollen die Drogenkonsument*innen auf Angebote wie etwa den nahegelegenen Drogenkonsumraum in der Karl-Marx-Straße hinweisen, der ebenfalls von Fixpunkt betrieben wird. Einer der beiden Sozialarbeiter hat allerdings lediglich eine halbe Stelle, die zunächst als Pilotprojekt auf die Monate November und Dezember angelegt ist. Ob die Stelle im kommenden Jahr weiter existieren werde, hänge von der Finanzierung ab, sagte Liecke und bemängelt fehlende Unterstützung durch den Senat.
Die beiden Sozialarbeiter wurden nun auch mit „Betretungsausweisen“ der BVG ausgestattet, damit sie vom Sicherheitsdienst der Verkehrsbetriebe nicht für Schwarzfahrer gehalten werden. In welchem Turnus die beiden Sozialarbeiter die U-Bahnhöfe besuchen, hängt – neben deren zeitlicher Begrenztheit – laut Liecke auch von den Abhängigen selbst ab. So gebe es bestimmte Tageszeiten, etwa früh morgens und nachmittags, zu denen vermehrt Drogenabhängige den Bahnhof zum Konsumieren nutzen würden.
Auch die Polizei führt unter anderem in den Bahnhöfen der U-Bahnlinie 8 regelmäßig Einsätze durch. Immer wieder nehmen die Beamt*innen dabei auch Drogendealer fest. – Text: Madlen Haarbach
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