Namen & Neues

Verkehrschaos im Richardkiez

Veröffentlicht am 26.08.2020 von Madlen Haarbach

Regelmäßig erreichen uns Nachrichten empörter Anwohner*innen, die das Verkehrschaos (nicht nur, aber auch) im Richardkiez beklagen. Viele äußern Unverständnis über einzelne Maßnahmen:  So wird etwa die begrünte Mittelinsel am Richardplatz durch eine überfahrbare Plattform ersetzt. Der offenbare Grund? Die Mittelinsel wird regelmäßig von Autos überfahren und beschädigt – die Reparaturen kosten Steuergelder. Die geplante Lösung? Entspricht aus Sicht vieler Anwohner*innen eher einer Kapitulation vor Verkehrsrandalen als einer kiezverträglichen Gestaltung.

„Der Kübel, der vor etwa 15 Jahren aufgebaut wurde, wird zwar im Wochenrhythmus beschädigt, aber das ist nicht der Grund für die Veränderung“, sagt hingegen Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) auf Anfrage.  Der Kübel sei seit eben jenen 15 Jahren ein Hindernis für Versorgungsfahrzeuge etwa der BSR und führe trotzdem nicht zur Einhaltung des Tempolimits. „Man muss auch mal einsehen, wenn eine Lösung nicht funktioniert. Die Aufpflasterung zwingt zum Abbremsen und ist daher die sinnvollere Lösung“, sagte Hikel weiter.

Erschwert wird die Situation aktuell durch mehrere parallel stattfindende Bauarbeiten. Leser Bernd K. spricht von einer „mittlerweile unerträglich gewordenen Situation“: „Wir sind als Neuköllner ja einiges gewohnt. Das ist ein weiteres Stück aus dem Tollhaus. Was jeder Sachkundige sofort erkannt hätte, scheint im Bezirksamt bisher niemandem bewusst zu sein oder eine Hand weiß mal wieder nicht, was die andere Hand tut“, schreibt er. Konkret geht es um Baumaßnahmen am nördlichen Ende des Platzes (zwischen Herzberg- und Richardstraße), in der Braunschweiger Straße und den Nachwirkungen der Baustelle in der Karl-Marx-Straße.

Dadurch würden immer mehr Autofahrer*innen in den Kiez ausweichen, wodurch diverse Straßen (Herzberg-, Schudoma-, Zwiestädter, Kirchhofstraße etc.) dauerhaft verstopft seien. Noch dazu würden viele Fahrzeugfahrer*innen sich höchst aggressiv verhalten, Drohen, Hupen und andere Verkehrsteilnehmer*innen gefährden.  Auch andere Leser*innen beklagen ähnliches: „Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber das ist eindeutig zu viel und muss schnellst möglich beendet werden“, schrieb etwa Leser Steffen G. bereits im März. Verbessert hat sich die Lage seither nicht.

„Natürlich führen Baustellen auch zu Verkehrsbehinderungen, das ist zwar bedauerlich aber unvermeidbar“, räumt BzBm Hikel ein. Die Asphaltierung der Braunschweiger Straße mit dem geplanten modalen Filter und die aktuellen Baumaßnahmen am Richardplatz würden langfristig der Verkehrsberuhigung in Rixdorf dienen. „Ich finde es gut, dass wir nun die Maßnahmen umsetzen können, die vor zwei Jahren mit Anwohnenden gemeinsam erarbeitet wurden“, sagte Hikel weiter.