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Neukölln ist mit am stärksten von trans- und homophober Gewalt betroffen
Veröffentlicht am 09.12.2020 von Madlen Haarbach
Seit Jahren gilt Neukölln als einer der Bezirke mit den meisten trans- und homophoben Straftaten in Berlin. Auch der Berliner Monitoring-Bericht zur trans- und homophober Gewalt der Senatsverwaltung für Justiz – der bundesweit erste entsprechende Bericht – kommt zu einem ähnlichen Schluss. Demnach entfallen zwar zwei Drittel aller zwischen 2010 und 2018 polizeilich erfassten Vorfälle auf die Bezirke Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg.
Besonders der Ortsteil Neukölln fällt jedoch laut Bericht mit einer hohen Zahl von (schweren) Körperverletzungen auf. Rund ein Zehntel der in Berlin von der Polizei erfassten Übergriffe auf trans und homosexuelle Menschen (9,2 Prozent, insgesamt 110 Fälle) wurden in Neukölln registriert, damit liegt der Bezirk an vierter Stelle im Berlin-Vergleich. Zudem zeichnet sich über die Jahre ein kontinuierlicher starker Anstieg der Zahlen ab: Wurden 2010 nur fünf Fälle erfasst, waren es 2018 bereits 27. Der Bericht nennt diesen starken Anstieg „präzedenzlos“. Nahezu alle Vorfälle konzentrieren sich auf Nord-Neukölln. Mit 25,6 Prozent weist Nord-Neukölln auch den berlinweit höchsten Anteil von stark gewalttätigen Vorfällen auf: In all diesen Fällen wurde der*die Betroffene (sehr) schwer verletzt. In weiteren 17,8 Prozent der Vorfälle registrierte die Polizei eine Körperverletzung, in 42,2 Prozent der Vorfällen handelte es sich um Beleidigungen, die übrigen Fälle wurden als „Sonstige“ erfasst.
Laut Bericht ist die überwiegende Mehrheit der Tatverdächtigen männlich: Und zwar ganze 91,5 Prozent. Männer* (77,2 Prozent der Neuköllner Fälle) sind allerdings auch stärker von Übergriffen betroffen als Frauen* (20,5 Prozent). Die Mehrheit der Übergriffe findet im öffentlichen Raum statt – und die Opfer werden demnach überwiegend „zufällig“ ausgewählt. Neukölln ist außerdem auch der Wohnort vieler Tatverdächtiger: Rund 11 Prozent der mutmaßlichen Täter*innen leben im Bezirk. Die meisten Tatverdächtigen sind der Polizei laut Bericht bereits durch andere Delikte bekannt. Neukölln hat außerdem mit 46,4 Prozent auch eine der niedrigsten Aufklärungsraten bei Hasskriminalität – im besonders betroffenen Norden des Bezirkes liegt die Quote sogar nur bei 35,1 Prozent.
Den gesamten Bericht finden Sie hier als PDF.