Namen & Neues

Bezirksamt legt schulpädagogischen Erinnerungsfonds für Stolpersteine an

Veröffentlicht am 27.01.2021 von Madlen Haarbach

Bereits 2017 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), dass das Bezirksamt auf Antrag die Verlegung von Stolpersteinen finanzieren soll, wenn Angehörige der Opfer des Nationalsozialismus diese nicht selbst finanzieren können. In einem Schlussbericht erklärten Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Bildungsstadträtin Karin Korte (beide SPD) nun, dass das Erinnerungsprojekt der Stolpersteine wesentlich von zivilgesellschaftlichem Engagement lebe. Der Bericht verweist auf den Diebstahl von 16 Stolpersteinen Ende 2017: Danach hatten innerhalb kurzer Zeit über 100 Menschen und Firmen mehr als 14.000 Euro gespendet, um die gestohlenen Steine neu verlegen zu lassen.

Der Bezirk habe die Spenden zum Anlass genommen, um einen „schulpädagogischen Erinnerungsfonds“ anzulegen, heißt es in dem Bericht. Dadurch sollen Schulklassen dazu ermutigt werden, sich im Unterricht oder in speziellen Projektwochen mit den Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus zu befassen. Ähnliche Projekte gibt es an Neuköllner Schulen bereits jetzt regelmäßig: Die Schüler:innen recherchieren dabei beispielsweise die Geschichte einer Person, die von den Nationalsozialist:innen verfolgt und/oder ermordet wurde aus alten Dokumenten und gedenken ihrer anschließend mit der Verlegung eines Stolpersteines.  Häufig wird der Stein aus Spenden finanziert, die die Schüler:innen im Rahmen des Projektes sammeln. Die Verlegung eines Steines kostet 120 Euro, damit werden sowohl die Materialkosten als auch Organisation, Herstellung und pädagogische Beratung finanziert.

Nun kann dann die Verlegung eines Stolpersteins auch aus dem Erinnerungsfonds finanziert werden. Das Bezirksamt erhofft sich dadurch einen weiteren Anreiz für entsprechende Schulprojekte. Gleichzeitig können auch Angehörige oder Initiativen, die gerne einen Stolperstein verlegen lassen würden, aber ihn nicht finanzieren können, Mittel aus dem Fonds beantragen. Ansprechpartner ist das Museum Neukölln, das im Bezirk die Verlegung von Stolpersteinen koordiniert.

Die 16 Stolpersteine waren im November 2017, rund um den Jahrestag der Novemberprogrome der Nationalsozialist:innen, insbesondere in der Hufeisensiedlung teilweise zerstört und/oder gestohlen worden. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur. Die Ermittlungsbehörden rechnen den Diebstahl der rechtsextremen Neuköllner Anschlagsserie zu, die bis heute nicht aufgeklärt wurde. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, weitere Infos gibt es hier.

 

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