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Fahrrad statt Auto: So viele Parkplätze wurden in den vergangen Jahren umgewidmet

Veröffentlicht am 07.07.2021 von Madlen Haarbach

Immer mehr Menschen in Berlin steigen aufs Fahrrad – und brauchen daher auch mehr sichere Abstellmöglichkeiten für ihr Gefährt im öffentlichen Straßenraum. Für den Bau von Fahrradbügeln wurden seit 2018 in Neukölln rund 240 bisherige Auto-Parkplätze umgewidmet. Das geht aus der noch unveröffentlichten Antwort des Senats auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Georg Kössler hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Zum Vergleich: Laut Schätzung des Stadtgeografen Alex Seidel gibt es allein in Nord-Neukölln insgesamt knapp 27.000 Auto-Parkplätze im öffentlichen Straßenraum (plus weitere rund 12.000 in Tiefgaragen und auf privaten Flächen). Mehr dazu können Sie hier noch einmal im Newsletter vom 7. April nachlesen.

Ob Parkplätze entsiegelt, also vom Beton oder Pflaster befreit wurden, ist unklar. Dadurch soll das Regenwasser besser im Untergrund versickern und nicht einfach nur in die Kanalisation abfließen – was gerade in Zeiten zunehmender Trockenheit relevant ist. Im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen sei dies nicht erfolgt, heißt es in einer Stellungnahme des Neuköllner Bezirksamtes, aus der der Senat zitiert. Ansonsten werde keine entsprechende Statistik geführt. Wie aus der Antwort auch hervorgeht, finden Entsiegelungen abseits von Straßenumbaumaßnahmen aber in der Regel auch nicht statt, also ist die Antwort wohl: Kein Parkplatz wurde bislang entsiegelt. Zum Teil seien aber Baumscheiben vergrößert oder Grünstreifen angelegt worden.

Fragesteller Georg Kössler zeigt sich unzufrieden mit der Antwort. Die Zahl der umgewidmeten Parkplätze bezeichnet er „angesichts der Parknot für das klimafreundliche Verkehrsmittel Fahrrad nur als Anfang“. Er fordert, etwa beim Umbau der Weserstraße zur Fahrradstraße etwa in den Kreuzungsbereichen vermehrt Fahrradstellplätze zu bauen, wodurch gleichzeitig auch das Falschparker-Problem gelöst werden könne. „Zudem braucht es endlich eine konsequente Entsiegelungsstrategie im Bezirk. Plätze wie der Böhmische Platz aber auch Hitzestraßen wie die Böhmische Straße sollten auch auf den Randstreifen der Fahrbahn, wo heute noch tonnenweise Autos parken, entsiegelt werden. Das kühlt die Stadt ab, lässt Regenwasser versickern und ist gut für die Stadtnatur“, teilt Kössler weiter mit. Hierfür wünsche er sich „mehr Mut“ vom Senat und Bezirk.