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Brunnenanlage im Blumenviertel wird am 31. Dezember abgeschaltet

Veröffentlicht am 06.10.2021 von Madlen Haarbach

Seit Jahren macht das steigende Grundwasser den Bewohner:innen vieler Häuser im Blumenviertel Probleme – was sich bei künftigen Starkregenereignissen in Folge des Klimawandels noch verschärfen könnte. Die mittlerweile recht alte und störanfällige zentrale Brunnenanlage am Glockenblumenweg, die seit Jahren den Grundwasserpegel niedrig hält, soll nun zum Jahresende endgültig abgeschaltet werden. Mit Ablauf des Jahres 2021 laufe auch die wasserbehördliche Erlaubnis aus, wodurch es „keine gesetzliche Grundlage für den Weiterbetrieb gibt“, begründet Staatssekretär Stefan Tidow die Abschaltung in einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Derya Çağlar und Lars Düsterhöft.

Aus Sicht von Senatsverwaltung und Bezirksamt ist eine neue zentrale Brunnenanlage, finanziert aus öffentlichen Mitteln, juristisch nicht möglich. Stattdessen sollen nun dezentrale Anlagen jeweils das Wasser von mehreren Grundstücken abpumpen, die Eigentümer:innen sollen sich dafür zu nachbarschaftlichen Gruppen zusammenschließen. Dafür sind im Haushaltsplan des Senats – im Rahmen eines „Pilotprojektes Grundwassermanagement“ – bis zu 2,3 Millionen Euro vorgesehen, mit denen die Planungen finanziert werden sollen. Vielen Anwohner:innen reicht das allerdings nicht (NL vom 21. Oktober 2020).

Wie aus der Antwort auch hervorgeht, sind die Planungen für eine dezentrale Brunnenanlage mittlerweile abgeschlossen, bei einer weiteren soll demnächst der Abschlussbericht an die Grundstückseigentümer:innen übergeben werden. Weitere Interessent:innen für dezentrale Anlagen sind demnach allerdings bislang nicht bekannt – was darauf hindeutet, dass das Projekt des Senats wie absehbar kaum auf Zustimmung der Anwohner:innen trifft. Wie viele entsprechende Anlagen tatsächlich gebraucht würden, um die zentrale Brunnengalerie zu ersetzen, ist laut Senat unklar: „Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da die potentielle Gefährdung einzelner Objekte von einer Vielzahl von Parametern abhängt, von denen einige der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nicht bekannt sind“, heißt es in der Antwort.

Und die Kosten? Von den insgesamt vorgesehenen 2,3 Millionen Euro wurden bislang erst 31.349,68 Euro ausgegeben. Mit dem Geld wurden neben den Planungen der beiden Anlagen auch Infoschreiben an die Anwohner:innen und die Wartung von 20 Datenloggern zur Grundwasserüberwachung finanziert. Verloren ist das übrige Geld bislang nicht, denn es soll auf den nächsten Doppelhaushalt übertragen werden. Ob die Anwohner:innen sich bis dahin von der Idee der dezentralen Anlagen, die sie größtenteils selbst finanzieren sollen, überzeugen lassen, ist allerdings zweifelhaft. Womöglich pokert der Senat darauf, dass das Problem nach der Abschaltung der zentralen Anlage im wahrsten Sinne des Wortes drängender wird.