Kiezgespräch

Veröffentlicht am 06.02.2019 von Julia Weiss

Sind Sie in letzter Zeit mal die Friedelstraße im Reuterkiez entlang spaziert? Haben Sie sich auch über so manchen neuen Laden gewundert? Eine hippe Coffeeshop-Kette hat sich angesiedelt, da kommt richtiges London-Feeling auf. Oder noch schlimmer: Es sieht aus wie in Mitte. Zu allem Überfluss gibt es jetzt noch einen neuen schicken Gewerberaum mit Fischgrätenparkett in der Friedelstraße 54. Moment mal, die Adresse kenne ich doch, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Ja richtig. Dort war der Kiezladen „Friedel 54“, der im Juni 2017 unter großem Protest geräumt wurde. Die Ex-Kiezladenbetreiber haben die Immobilienanzeige im Internet entdeckt. Die neuen Räume werden dort für 19 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter angeboten.

„Friedel 54 bleibt unvermietbar“, protestiert das Friedel-Kollektiv jetzt auf Facebook und appelliert an die Moral der Mietinteressenten: „Jede*r, der*die sich unkritisch den Vorgaben der Immobilienwirtschaft beugt, trägt seinen*ihren kleinen, individuellen Anteil am herrschenden Mietenwahnsinn bei.“ Vielleicht reicht aber auch schon gesunder Geschäftssinn, um vor dem Angebot zurückzuschrecken. Anderen neuen Mietern wurden die horrenden Preise schon zum Verhängnis. Das hat Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) beobachtet. „An der Ecke Friedel-Sanderstraße hat nun schon zum dritten Mal ein Restaurant nach kurzer Zeit wieder geschlossen“, sagt er.  „Irgendwo scheint dann doch eine Grenze erreicht zu sein, über der Pachtpreise nicht mehr zu stemmen sind.“

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