Kiezgespräch

Veröffentlicht am 12.06.2019 von Thomas Wochnik

Ein aktuelles Beispiel für den Reizanteil am Einstiegsthema Tourismus ist nach wie vor La Bettolab in der Okerstraße 43, bekanntermaßen (siehe NK Leute-Newsletter vom 2. Mai) im Rechtsstreit mit dem Vermieter. Der hat den Mietvertrag mit der Begründung gekündigt, Betreiber Emanuele Femia betreibe entgegen der Vereinbarung keine Galerie mit Café sondern eine lärmende Bar und einen Veranstaltungsraum „für Touristen“. Weite Teile von Anklageschrift und der nachfolgenden Stellungnahmen drehen sich darum, ob La Bettolab nun vermehrt von Touristen oder von Einheimischen besucht wird.

Beide Seiten reklamieren für sich im Sinne der Anwohner*innen und damit im Sinne von Kiez und Millieu zu agieren. Beide führen Fürsprecher und Kritiker aus der Nachbarschaft an. Letztlich stehen beide für verschiedene Arten von Kiez. Und sicher sollte es für beide Arten Raum in Berlin geben. So wie die Diskussion geführt wird, könnte der Rückhalt im Kiez entscheidend für den Ausgang des Verfahrens sein – der Kiez bestimmt so mit, wie er sein möchte. Fürs La Bettolab dürfte die Kiez–Bindung daher von existenzieller Bedeutung zu sein. Für die Eigentümer eher nicht. Die haben aber durchaus ein Interesse daran, in der Öffentlichkeit als Kiezritter wahrgenommen zu werden: Es handelt sich nämlich um die Firman Properties S.A.R.L., auch bekannt aus dem Streit mit dem Syndikat in der Weisestraße und besser bekannt als Pears Global.

Am 13. Juni um 9.30 Uhr findet die öffentliche Gerichtsverhandlung im Landgericht am Tegeler Weg 17-21 statt, ab 18 Uhr lädt Femia zur „common Performance“ in die Okerstraße 43 ein. „Nichts Besonderes“, hat er mir verraten, „nur eine Zusammenkunft mit Freunden in entspannter Atmosphäre.“ Allerdings könnte es demnächst doch auch eine speziellere Veranstaltung geben, die das Thema berührt, meint er: Mit Kopfhörern bestückte Gäste, die einen Sommerabend lang vor der Ladenfassade tanzen – sichtbar, aber ohne ein Geräusch von sich zu geben. Und ohne verbale Kommunikation. Als eine Art Performance, erwachsen aus der jahrelangen, zermürbenden Auseinandersetzung.

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