Kiezgespräch

Veröffentlicht am 26.06.2019 von Madlen Haarbach

Karstadt am Hermannplatz soll in naher Zukunft abgerissen und in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert werden, inklusive großer Dachterasse und historischer Fassade (tagesspiegel.de). Gegen die Pläne der Eigentümerin, der österreichischen Firma Signa-Holding, regt sich allerdings Widerstand: Ein Bündnis verschiedener Mieteriniativen hat sich im „Arbeitskreis Hermannplatz“ zusammengeschlossen und protestiert gegen die Pläne.

Die Kritik richtet sich einerseits gegen die Baupläne. Der Boden solle offenbar durch die Baumaßnahmen maximalen Profit abwerten und Flächen zu Höchstmietpreisen verwertet werden, schreiben die Aktivist*innen in einer Mitteilung, die dem Tagesspiegel vorliegt. Hintergrund ist, dass die Verkaufsfläche des Karstadts verkleinert werden soll, die Gesamtfläche des Gebäudes insgesamt jedoch vergrößert. Auf der übrigen Fläche sollen Büros, ein Hotel und auch Wohnungen entstehen. Durch die höheren Mietpreise würden Mitarbeiter*innen verdrängt, ebenso wie andere Gewerbetreibende und Mieter*innen, argumentieren die Aktivist*innen. Sie befürchten auch steigende Preise in den Geschäften, die das neue Gebäude beziehen könnten – Preise, die sich viele Anwohner*innen nicht leisten können.

Andererseits richtet sich die Kritik aber auch gegen die Signa-Holding selbst. Miteigentümer ist der österreichische Immobilieninvestor René Benko, der zuletzt im Zusammenhang mit der Strache-Affäre für Aufsehen sorgte und womöglich für die FPÖ gespendet haben soll (sueddeutsche.de). Die Forderung der Aktivist*innen: „Kein Abriss, kein gigantischer Neubau, keine “Aufwertung” des Hermannplatzes“, schreiben sie in der Mitteilung.

Vergangenen Freitag feierte das Karstadt am Hermannplatz übrigens 90-jähriges Jubiläum. Die RBB-Abendschau blickte zurück. Ob die Bauarbeiten tatsächlich so stattfinden, wie geplant, ist noch nicht sicher. Noch gibt es keinen Bebauungsplan, für den Friedrichshain-Kreuzberg zuständig ist – und das aktuelle Karstadt-Gebäude steht außerdem unter Denkmalschutz.

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