Kiezgespräch

Veröffentlicht am 27.11.2019 von Madlen Haarbach

Wie sicher ist der U-Bahnhof Schönleinstraße? Der Bezirk und andere Behörden wollen dem Drogenkonsum dort (und an anderen Bahnhöfen der U-Bahnlinie 8) zukünftig verstärkt begegnen. So sind seit kurzem Sozialarbeiter*innen im Einsatz, Drogenkonsument*innen anzusprechen. Außerdem sollen etwa die verwaisten Büdchen auf dem Bahnhof entfernt werden (tagesspiegel.de).

Leserin Ingrid Knoll hat einen etwas anderen Vorschlag. Sie schlägt vor, dass sich die beiden Bezirke Friedrichshain/Kreuzberg und Neukölln auf kurzem Wege zur baulichen Sanierung des U-Bahnhofes Schönleinstraße verständigen sollen. „Der U-Bahnhof Schönleinstraße wurde und wird wohl von beiden Bezirken vergessen bei ganz normalen Sanierungsarbeiten, bei der Herstellung eines heute angemessenen Außeneindrucks. Manchmal kam mir schon der Gedanke, dass er für besonders schreckliche Eindrücke in Filmen so bleiben muss“, schreibt sie in einer E-Mail.

Beim genauen Ansehen des Bahnhofes ergreife sie „Fassungslosigkeit, Verbitterung, Entsetzen und zwar darüber, dass ich vor jetzt schon 20 Jahren die erste Hoffnung hatte, dass auch dieser U-Bahnhof in die allgemeinen, ganz üblichen Sanierungs- und Verschönerungsvorhaben der U-Bahnhöfe eingebunden wird (es gab nämlich neue Lampen – man sieht noch die Kabelführung der alten). Seitdem jedoch wird er immer verwahrloster.“ Und weiter: Kein U-Bahnhof Berlins – auch nicht auf der gesamten Linie 8 – könne mit der baulichen Vernachlässigung/Verkommenheit der Schönleinstrasse konkurrieren.

Der Bahnhof setze jedem Verfall und jeder Tristesse die Krone auf, urteilt Knoll. „Und dann wundern sich viele Menschen, dass hier auch die Menschen „eklig“ sind, alle menschlichen Geschäfte hier verrichten und auch noch in dem Gestank leben. Und jetzt sollen auch noch Sozialarbeiter hier ihren Arbeitsplatz bekommen! Solch einen Arbeitsplatz gibt es in Berlin sicherlich nicht so oft!!!“, schreibt sie. Und nun solle das einzig „Hübsche“, die verlassenen Büdchen, abgerissen werden. Sie fordert, dass diese im Gegenteil belebt werden sollten und viel eher Geld in die Sanierung des Bahnhofes fließen sollte. Außerdem müsse das Problem der Obdachlosigkeit ohnehin für den Winter gelöst werden, schreibt Knoll.

Die Pressesprecherin der BVG, Petra Nelken, ließ eine entsprechende Anfrage des Tagesspiegels mit Verweis auf Termingründe bislang unbeantwortet.

Übrigens: In punkto Gewalt liegt der Bahnhof Schönleinstraße deutlich hinter anderen Bahnhöfen der U8. So wurden im Jahr 2018 insgesamt 18 Fälle von Körperverletzung an dem Bahnhof gemeldet, wie die Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Sven Kohlmeier (SPD) zeigt . Zum Vergleich: Am Hermannplatz wurden 77 registriert, in der Boddinstraße 30. Auch bei Taschendiebstählen liegt die Schönleinstraße mit 40 registrierten Fällen 2018 deutlich hinter dem Hermannplatz mit 153 Fällen, der Boddinstraße mit 79 und der Hermannstraße mit 57. – Text: Madlen Haarbach

+++
Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Neukölln entnommen. Den Newsletter mit Nachrichten, Tipps und Terminen aus Neukölln gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de

+++

Meine weiteren Themen im Neukölln-Newsletter – hier eine Auswahl

  • Urteil im Räumungsprozess: Kiezkneipe „Syndikat“ soll Laden räumen
  • 2,3 Millionen Euro Haushaltsmittel für Grundwasser-Projekt im Blumenviertel
  • Erstes Urteil gegen Besetzer*innen der Bornsdorfer Straße 37b
  • Bezirksamt prüft Milieuschutz in der Germaniapromenade
  • „Chill mal dein Gaspedal“: Kinder gestalten Plakate über Mobilität im Richardkiez
  • Clay-Schule wird „Schule der Vielfalt“
  • Bebauungsplan für östlichen St. Jacobi-Friedhof liegt aus
  • Dieselfahrverbote in der Silberstein- und Hermannstraße eingerichtet
  • Nachbarschaft: Niloufar Tajeri von der Initiative Hermannplatz fordert ein selbstverwaltetes „Karstadt der Zukunft“
  • Debatte um den U-Bahnhof Schönleinstraße: Wie gefährlich der Bahnhof ist – und was eine Leserin zur Verbesserung der aktuellen Situation vorschlägt
  • Ausblick auf die BVV
  • …und mehr Tipps und Termine für Ihren Ortsteil. Den Neukölln-Newsletter gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de
Anzeige