Nachbarschaft

Veröffentlicht am 22.11.2017 von Madlen Haarbach

Seit 15 Jahren ist der Mädchentreff Schilleria eine feste Instanz im Schillerkiez. „Bei manchen Familien aus der Nachbarschaft kommen die Töchter schon in dritter Generation zu uns“, erzählt Sinaya Sanchis, eine von zwei festangestellten Sozialarbeiterinnen der Schilleria. Doch nun kämpft der Treff um seine Existenz: Mitte September haben die Mädchen die Kündigung des Vermieters, der skandinavischen Greta AG, zum Jahresende erhalten. Ein neuer Mietvertrag wurde der Schilleria in Aussicht gestellt, allerdings gekoppelt an eine Verdreifachung der Miete. Diese Erhöhung kann der Träger, der gemeinnützige Mädchen- und Frauenverein MaDonna Mädchenkult.Ur, aus eigener Kraft nicht stemmen.

Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) verhandelt derzeit eine Übergangslösung für die Schilleria. „Unsere Priorität ist es, zu bleiben“. sagt Sanchis. Ein Umzug hieße, „genau der Verdrängung zu weichen, gegen die wir eigentlich stehen”. Viele der Mädchen seien bereits aus dem Kiez verdrängt worden, aber viele sind noch da – und würden sich nicht mit den Veränderungen im Kiez identifizieren.

Die Schilleria fokussiert sich auf die kulturelle und politische Bildung, die Antidiskriminierungs- und Empowermentarbeit.  „Das ist eine paradoxe Situation“, sagt Sanchis. „Wir bringen den Mädchen bei, sich an politischen Prozessen zu beteiligen – und dann erfahren sie, dass die Politik es versäumt hat, sich frühzeitig für sie einzusetzen, und dass deswegen nun ihr Rückzugsort bedroht ist.“ (tagesspiegel.de)

Mitte Dezember soll ein Treffen zwischen der Greta AG, der Schilleria und dem Jugendamt stattfinden. Bis dahin ist der weitere Verbleib der Schilleria ungewiss. Die Mädchen nehmen ihr Schicksal derweil nicht teilnahmslos hin und haben in Eigenregie eine Liste mit Ideen zur Rettung des Treffs zusammengestellt. Es finden mittlerweile fast täglich kleine bis große Hilfsaktionen statt, vom Punsch-gegen-Spende bis hin zu Flyeraktionen in der Nachbarschaft. Dabei freuen sich die Mädchen natürlich auch über solidarische Nachbar*innen und andere Unterstützung.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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