Unter Nachbarn

Veröffentlicht am 06.12.2017

Naomi Larsson ist Journalistin beim britischen Guardian und lebt normalerweise in London. Gerade ist sie für zwei Monate im Rahmen des Internationalen Journalisten Programms (IJP) zu Gast in der Tagesspiegel-Redaktion – und lebt währenddessen in Neukölln.

Naomi, wie bist du in Neukölln gelandet? Ein Freund, der in Berlin lebt, hat mich mit einem tollen Paar in Kontakt gebracht. Die beiden vermieten ein Zimmer in ihrer Wohnung, die sich direkt am Richardplatz befindet. Die Lage hier ist perfekt, ich kann kaum erwarten, dass bald der Weihnachtsmarkt direkt vor meiner Tür stattfindet.

Was magst du an Neukölln? Die schwach beleuchteten Pflasterstraßen rund um den Richardplatz haben etwas Romantisches. Ich mag die unzähligen gemütlichen Bars und Restaurants in der Gegend – und dass der Kiez trotzdem eine ruhige Atmosphäre hat, vor allem im Vergleich zu London.

Was gefällt dir weniger? Obwohl ich erst seit wenigen Wochen hier lebe, spüre ich die Spannung aufgrund der steigenden Preise in Neukölln. Viele Menschen sind besorgt, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen aus der Gegend verdrängt werden. In London haben wir genau diese Entwicklung auf drastische Art und Weise erlebt. Daher wünsche ich Berlin, nicht das Gleiche durchmachen zu müssen, vor allem, weil gerade die Vielfalt Neukölln so besonders macht.

Hast du besondere Tipps für den Kiez? Meine Lieblingsbar ist „Das Kapital“ am Karl-Marx-Platz. Die Bar hat ein tolles Gemeinschaftsgefühl, weil die Menschen sehr warmherzig und freundlich sind. Als Fremde in einer neuen Stadt fühle ich mich dort sehr willkommen. Für Kunstfreunde veranstaltet die Bar regelmäßig Gesprächsrunden, bei der Künstler über ihre Arbeit diskutieren. Außerdem bin ich auf die Organisation „Cinema Politica“ aufmerksam geworden, die im Keller der Bar „Du Beast“ in der Innstraße  politische Independent-Filme zeigt. Die Vorführungen finden alle paar Wochen statt und enden immer mit einer offenen Diskussionsrunde. Das ist eine gute Idee für alle, die an einem Montagabend mal etwas Abwechslung benötigen.

Fragen und Übersetzung aus dem Englischen: Madlen Haarbach

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de