Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.05.2018 von Madlen Haarbach

Hamid Djadda, Unternehmer, gründete im Februar 2017 Ohde-Marzipan.

Wie kamen Sie auf die Idee, Neuköllner Marzipan zu kreieren? Ich hatte eine Marke für persische Feinkost kreiert, Shatoh, und im Rahmen des Projektes wilde Mandeln im Iran entdeckt, die in Deutschland fast unbekannt sind. Durch das Netzwerk Neukölln traf ich Herrn Seitz von der Firma Moll Marzipan und wollte ihm wilde Mandeln verkaufen, als Hauptbestandteil von Marzipan. Bei dem Gespräch erwähnte Seitz, dass es frustrierend für ihn sei, immer wieder Lübeck zu hören wenn es um Marzipan geht – da Neukölln mehr Rohmasse produziert als Lübeck! Wenn auch die genauen Mengen nicht feststehen, so ist Neukölln der bedeutendste oder zweitbedeutendste Produktionsstandort für Marzipan in der ganzen Welt, durch die Firmen Moll und Lemke.

Bei meiner nächsten Flugreise ins Ausland sah ich am Flughafen Schönefeld im Duty Free Shop eine Berlin-Ecke. Es wurden dort ausschließlich Produkte aus Berlin verkauft, wie zum Beispiel „Berliner Luft“. Mit einer Ausnahme: Lübecker Marzipan! Das ging meiner Meinung nach gar nicht, denn in Neukölln wird seit über 160 Jahren Marzipan produziert. Die Firma Moll war sogar königlicher Hoflieferant. Da muss natürlich in der Berlin Ecke auch Berliner Marzipan stehen. Das Problem war, dass die Firmen Moll und Lemke nur andere Hersteller beliefern und keine eigene Marke haben. Ich habe darauf hin die Marke Ohde kreiert, um diesem Missstand ein Ende zu bereiten.

Sie haben eine Stiftung gegründet, die Bildungsprojekte an Neuköllner Schulen unterstützen soll. Wie entstand die Idee? Die Idee kam durch eine Rede der damaligen Bezirksbürgermeisterin, Franziska Giffey, die die Unterschiede bei Schulabschlüssen zwischen Schülern in Neukölln und „reicheren“ Bezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf anprangerte. Diese Unterschiede können nicht durch die Unterschiede im IQ erklärt werden. Ihr Engagement hat mich sehr beeindruckt und mit der Stiftung wollen wir die Schulbildung der Jugendlichen in Neukölln fördern. Das Startkapital kommt von mir und von Ohde Marzipan wird ein Teil der Gewinne in die Stiftung fließen. Darüber hinaus habe ich ein Produkt auf den Markt gebracht, bei dem eine Lizenzgebühr an die Stiftung gezahlt wird, den Rixdorfer Glückswürfel. Somit kommt schneller Geld in die Kasse der Stiftung und daher können wir schon in diesem Jahr ein Mentorenprogramm an der Kepler-Schule finanzieren. Stiftungsmitglieder sind nicht nur hochrangige Personen sondern auch ehemalige Gangmitglieder, die die Straße viel besser kennen. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Yigit Muk, bekannt dadurch, dass er von einem Gangmitglied in Neukölln zum besten Abiturienten Deutschlands wurde.

Und, die wichtigste Frage, warum gibt es noch keinen Ohde-Laden in Neukölln? Stimmt absolut! Das Problem sind die Anfangsinvestitionen in eine Marke: Logo, Entwicklung, Verpackungsdesign, Webseite, Produktentwicklung usw. Das erste Jahr verursacht hohe Verluste. Um schnell in die Gewinnzone zu kommen, mussten wir in einem kaufkräftigen Bezirk anfangen, daher gingen wir nach Charlottenburg. Wir müssen natürlich so schnell wie möglich einen Shop in Neukölln haben. Ich verhandele nun mit dem Bezirk, damit wir auf dem Rathausplatz Ohde verkaufen dürfen.

Foto: Selfie von Djadda, der selbst nach der Augen-OP im Krankenhaus stolz Werbung für Ohde macht.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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