Nachbarschaft

Veröffentlicht am 13.06.2018 von Maria Kotsev

Früher legte er selbst als DJ auf, heute lässt Felix von Ploetz anderen Künstler*innen den Vortritt – zumindest bei der Fête de la Musique. Der Gemeindemanager der Martin-Luther-Kirchengemeinde in der Fuldastraße 50 lädt dieses Jahr Künstler*innen aus Brasilien, Mexiko, Köln und sogar Berlin in den Kirchsaal seiner Gemeinde ein und sorgt damit auch dieses Jahr dafür, dass es beim Musikfest dort abwechslungsreiche Klänge auf die Ohren gibt. Zum zweiten Mal in Folge organisiert er nun den Musikabend zur Fête de la Musique in der Martin-Luther-Kirche.

Der Sozialpädagoge initiierte den Fête-Standort Fuldastraße aus Leidenschaft zur Musik und allem voran: aus Spaß. Dass er selbst die Musik bestimmen darf, missfällt dem ehemaligen DJ auch nicht: „Ich habe einen breiten Musikgeschmack und möchte natürlich auch, dass er sich auf der Fête wiederspiegelt“, erzählt von Ploetz und schwärmt von den Künstler*innen, die er ins Boot holen konnte. Giovanna Piazza aus Brasilien tritt am 21. Juni gleich zwei Mal auf: Einmal um 18 Uhr im Duo mit dem mexikanischen Gitarristen Carlos Corona und einmal in einer größeren Kombo mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. „Die ist schon unfassbar professionell. Auch die Jungs von ‚Chanson Trottoir‘, die danach auftreten sind richtig toll und unfassbar witzig: Die bringen tanzbare, französische Chansons auf die Bühne!“ Natürlich tritt auch der hauseigene Gospelchor im umdekorierten Kirchsaal auf. Der Chor zelebriert übrigens im Herbst sein zweijähriges Bestehen. Ausklingen lässt von Ploetz den Abend mit der Berliner Indie-Pop-Band Rinoville.

Klingt, als wird man es am Fête-Donnerstag ordentlich krachen lassen. Wenn auch nicht so sehr, wie letztes Jahr, als eine „fette Rockband“ die Akustik im Gemeindesaal wohl etwas überstrapazierte. Im Innenhof ist es etwas ruhiger, man hört dennoch die Livemusik und kann dazu Grillgut genießen. Von Ploetz freut sich vor allem darüber, wenn die Fête jungen Menschen zeigt, dass Kirche auch weltoffen und jung sein kann – und sich diese jungen Leute anschließend auch in der Gemeinschaft engagierten. Das Engagement könne man dringend gebrauchen; bei der spirituellen Liedernacht, die drei Mal im Jahr stattfindet, beim großen 1.-Advent-Bazar. Aber auch die Fête wäre ohne Freiwillige in der Kirche nicht realisierbar. „Das ist schwieriger als man denkt“, meint von Ploetz. „Fromm und konservativ – das ist das vorherrschende Bild, das man von Kirche und ihren Botschaften hat, die einem vielleicht fremd sind.“

Deswegen müsse die Kirche neue Angebote machen, die sich an junge Menschen richten, weltoffen sein und einen modernen Gottesdienst anbieten. Der Martin-Luther-Kirche gelinge das ganz gut, sagt von Ploetz, zumal man hier die Brücke zwischen der arabisch dominierten Sonnenallee und der jungen, alternativen Weserstraße schlagen müsse. Autonom genug seien die Kirchengemeinden in Deutschland jedenfalls für einen Imagewechsel. Trotz Mitgliedschaften im Kirchenkreis, könne jede Gemeinde ihr eigenes Profil entwickeln. Die Fête, die Musik und der Spaß, den man dabei hat, sind deutlicher Teil des Profils der Martin-Luther-Kirche mit Signal in Richtung Offenheit und Frische.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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