Nachbarschaft

Veröffentlicht am 24.04.2019 von Madlen Haarbach

Mathias Püschel ist ehrenamtlicher Pate bei den Neuköllner Talenten, dem Patenschaftsprogramm der Bürgerstiftung Neukölln. Hier beschreibt er, warum er sich engagiert:

Zugegeben, eine Patenschaft bei den Neuköllner Talenten ist zeitintensiv, verbunden mit weitreichenden Verpflichtungen und bringt große Verantwortung mit sich. Warum engagiere ich mich also seit Februar 2018 ehrenamtlich als Pate bei den Neuköllner Talenten? Weil es sich lohnt! Es gibt reichlich gute Gründe, Pat*in zu werden. Mich persönlich haben zwei Dinge dazu bewegt aktiv zu werden.

Einerseits trieb mich jener Wunsch an, den so viele Menschen meiner Generation in sich verspüren: das vage Gefühl etwas von den unverdienten Privilegien zurückgeben zu wollen und einen sinnvollen sozialen Beitrag zu leisten. Andererseits habe ich mich gefragt, wie gut ich eigentlich meinen eigenen Kiez kenne, in dem ich seit zehn Jahren wohne. Neukölln, dieser multikulturelle Szenebezirk mit seinen 1000 Facetten. Ich war stolz darauf, Teil dieses bunten Miteinanders zu sein. Nur wie sehr war ich wirklich ein Teil davon? Leben wir nicht einfach aneinander vorbei, ohne die Lebenswirklichkeiten des Anderen zu kennen, geschweige denn zu verstehen?

Das Engagement bei den Neuköllner Talenten gibt mir die Möglichkeit, etwas Sinnstiftendes zu tun und einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Gleichzeitig bietet es die Gelegenheit, sich im Kiez zu engagieren und ihn so ein kleines bisschen besser kennenzulernen.

Eine Patenschaft ist in vielerlei Hinsicht bereichernd, sowohl für das Patenkind als auch den*die Pat*in. Für das Patenkind stehen die eigenen Freizeitbedürfnisse im Mittelpunkt. Einfach unbeschwert Spaß haben und die Seele baumeln lassen. Neues entdecken und viele schöne Sachen machen. Die Liste an Erlebnissen, die ich mit meinem Patenkind teile ist lang: Fahrradtouren, Reiten, Vogelhaus bauen, Bonsai pflanzen, Lasertag spielen, Teufelsberg, Sternwarte, Kino, Museum, Plätzchenbäckerei… Mein Patenkind lässt mich die Welt durch andere Augen sehen. So erfahre ich mich und meine Umgebung aus einem anderen Blickwinkel und entdecke in beiden viel Neues und Spannendes.

Für mich ist dieses Ehrenamt gelebte Integration, nicht nur die meines Patenkindes, sondern auch meine eigene. Ich habe das Gefühl, Teil einer Familie zu sein und Einblick in eine Lebenswelt zu bekommen, die mir zuvor unbekannt und fremd war. Ich freue mich darüber, einen Beitrag zu etwas mehr Chancengleichheit zu leisten und mein Patenkind zu empowern. Gleichzeitig bin ich zutiefst dankbar für die Dinge, die ich von ihm lerne, denn eine Patenschaft ist keine Einbahnstraße.“

Aktuell sucht die Bürgerstiftung neue ehrenamtliche Unterstützer*innen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier, unter Tel. 030 627 380 14 oder per E-Mail an info@neukoellner-talente.de.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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