Nachbarschaft
Veröffentlicht am 29.05.2019 von Madlen Haarbach
Wie können gerade kleine Kinder sicherer zur Schule gelangen – ohne, dass die Eltern sie mit dem Auto bringen und durch das Verkehrschaos andere Schulkinder gefährden? Im Körnerkiez wird seit ein paar Wochen eine neue Idee erprobt. Beim sogenannten „Laufbus“ werden die Kinder morgens an festen Haltestellen zu fixen Zeiten eingesammelt und laufen dann gemeinsam zur Schule. Quasi ein laufender Schulbus, ökologischer, sicherer durch die Gruppe – und im Idealfall auch spaßiger, weil die Kinder mit ihren Freunden entspannt in den Tag starten.
„Freunde treffen ist ein großer Pluspunkt“, sagte Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann beim offiziellen Start des Projektes am Montag. „Ich glaube, mir hätte das auch geholfen, morgens aus dem Bett zu kommen.“ Er halte das Projekt für genau das richtige, denn das Verkehrschaos in den Kiezen sei nie so groß wie morgens vor der Schule, so Biedermann weiter. Es entstehe oft ein negativer Kreislauf, weil Eltern aus Angst um die Sicherheit ihrer Kinder morgens das Auto wählen – und diese Elterntaxis dann für noch mehr Verkehrschaos sorgen und andere Kinder gefährden, deren Eltern sich dann wiederum um die Sicherheit sorgen. Diesen Teufelskreis könne man am besten durch kleine kreative Initiativen durchbrechen, glaubt Biedermann.
Entstanden ist die Idee zum Laufbus auf Initiative des Quartiersrates Körnerpark als Teil des Projektes „Sicher im Kiez“, dass über eine Laufzeit von drei Jahren die Verkehrssicherheit verbessern wollte. Umgesetzt wurde sie nun vom Projektbüro AG.Urban in Zusammenarbeit mit der Konrad-Agahd-Grundschule und der Peter-Petersen-Grundschule. „Es geht uns vor allem darum, dass die Kinder sicher zur Schule kommen“, sagt Simone Schützmann, Direktorin der Konrad-Agahd-Grundschule. In einer internen Umfrage hat die Schule ermittelt, dass über alle Klassenstufen hinweg insgesamt 66 Schüler*innen von den Eltern zur Schule gebracht werden – davon 40 mit dem Auto. Gerade diese 40 sind Zielgruppe des Projektes. „Ich glaube, die Angst im Kiez ist durch viel befahrene Straßen wie die Emser Straße groß“, sagt Schützmann. Der Laufbus könne nicht zuletzt auch die Eltern entlasten, da sie ihrer Kinder nicht mehr täglich selbst zur Schule bringen müssten – aber damit das Projekt funktioniere, sei auch die Initiative der Eltern gefragt, appelliert Schützmann.
Die Idee des Laufbusses sei nicht neu, erklärt Michael Pinetzki von der AG.Urban. Bislang laufen ähnliche Projekte vor allem in kleineren Städten, oft auf Initiative des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) oder des Kinderhilfswerkes. Auch in Berlin gibt es bereits ähnliche Projekte in Treptow und Steglitz. „In verdichteten Kiezen wie hier bedeutet das Projekt mehr Aufwand, weil es viel mehr unterschiedliche Schulwege gibt“, sagt Pinetzki. Auch die Eltern seien oft weniger engagiert. Der Laufbus ist nicht die einzige Idee, den Kiez verkehrssicherer zu machen – aber gerade auf dem Schulweg eine sichere Alternative. Schülerlots*innen beispielsweise würden an dicht befahrenen Kreuzungen oft eher selbst gefährdet, weil Autofahrer*innen sie nicht ernstnehmen, berichtet Pinetzki.
Im Idealfall soll der Laufbus in sechs Monaten eigeninitiativ laufen, indem größere Kinder oder einzelne Eltern die kleineren als Paten begleiten. Ende des Jahres läuft auch die Förderung durch die Mittel aus dem „Soziale Stadt“-Topf des Bundes aus.
Foto: Die Klasse 3a der Konrad-Aghad-Grundschule mit dem typischen Haltestellenschild des Laufbusses.
Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.