Nachbarschaft

Veröffentlicht am 17.07.2019 von Maria Kotsev

Die Sporthalle der TTC Neukölln ist an diesem Dienstagabend rappelvoll. Ein leichter Schweißgeruch und das wirre Klackern von Tischtennisbällen auf den Platten empfängt einen, sobald man die schwere Tür aufstößt. „Keine Straßenschuhe hier”, raunt ein Freizeitsportler. Wolfgang Krämer winkt sofort ab – ausnahmsweise geht das in Ordnung. Er ist ein regelrechtes Urgestein in dem Neuköllner Tischtennisverein, der vor 68 Jahren gegründet wurde. 50 davon ist Krämer schon dabei. Erst als Mitglied und Spieler, später als Mannschaftsführer und Schatzmeister. Vor 20 Jahren hat er die Freizeitgruppe gegründet. Jeden Dienstag und Donnerstag kann kommen und gehen wer Lust hat. Man kann auch ohne höhere Ambitionen ein paar Bälle schmettern.

Irgendwann hatte Krämer keine Lust mehr auf die Liga, Schuld ist – im übertragenen Sinne – der Fortschritt. „Früher konnte man lange zusammen in einer Mannschaft spielen, wenn man einen guten Draht zueinander hatte”, erzählt er. Heute hingegen sammeln die Spieler*innen in einem digitalen Punktesystem Scores. Die guten werden automatisch in die höhere Liga gestuft. „Nun wechseln die Besetzungen dadurch ziemlich schnell”, sagt Krämer. Aber „die Freizeit”, wie er das freie Training nennt, macht ihm auch nach Jahrzehnten Spaß. „Das hat sich hier prächtig entwickelt, der Trubel bereitet mir immer noch Freude.”

An diesem Abend spielen jung und alt zusammen, doch eines fällt auf: Die meisten Spielenden sind Männer. Ist Tischtennis ein Männersport? Nein, findet Krämer. „Die größten Erfolge erzielen in unserem Verein immer die Frauen. Die sind in allen Altersklassen allererste Sahne!” Integration und Inklusion spielen im TTC Neukölln auch eine Rolle, alle sind im Verein willkommen. Es kämen Menschen aus allen Ländern zum Tischtennisspielen her. Auch mangelnde Sprachkenntnisse sind kein Problem. „Es findet sich immer jemand, der Englisch spricht.” Und eigentlich müsse man auch nicht viel reden, um sich beim Spielen zu verständigen. Und wie schnell lernt man eigentlich Tischtennisspielen? Krämer lacht: „Kommt ganz auf Ihr Talent an.” Aber eigentlich könne das jede*r, Hauptsache, es mache Spaß, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Foto: Maria Kotsev

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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