Nachbarschaft

Veröffentlicht am 04.09.2019 von Madlen Haarbach

Nach der Geburt ihrer ältesten Tochter suchte Karin Beese nach Kinderbüchern, die Vielfalt widerspiegeln, sowohl bei der Hautfarbe als auch bei Familienkonstellation und Religion.

Sie stellte fest: Es gab kaum Bücher, in denen Mädchen die Hauptrolle übernahmen, Schwarze Kinder und andere children of color wurden kaum dargestellt. Und tauchen doch Kinder etwa mit einer anderen Religion als der christlichen auf, werden sie oft im Zusammenhang mit einer notwendigen Integration oder ihrem „Anders-Sein“ dargestellt. Damals war Beese im Vorstand der Elterninitiative einer Kita in der Fuldastraße, auch dort tauchte immer wieder die Frage nach Vielfalt in Kinderbüchern auf. „Ich stellte fest: Da gibt es offenbar einen Bedarf“, sagt Beese. Und dachte sich – na gut, dann mach ich das halt selbst.

Gemeinsam mit Mathilde Rousseau, ebenfalls Mutter in der Initiative, startete sie ein Buchprojekt. Beese hatte keine Erfahrung im Verfassen von Kinderbüchern, Rousseau noch keine Kinderbücher illustriert. Doch beide stürzten sich parallel zu Arbeit und Familie in das Projekt. Heraus kam „Nelly und die Berlinchen: Rettung auf dem Spielplatz“ – ein Buch über Freundschaft, Streitigkeiten, die Entführung eines Teddys und eine unerwartete Rettung. Die Hauptfiguren NellyAmina und Hannah erleben alltägliche Abenteuer auf dem Spielplatz am Richardplatz.

„Uns war es wichtig, Vielfalt nicht explizit zu thematisieren, sondern als selbstverständlich abzubilden“, sagt Beese. Dadurch sollen Kinder zwischen einem und sechs Jahren vorurteilsfrei aufwachsen. In die Geschichte band sie viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen ein, die ihre Perspektive einbrachten – und lernte über deren Feedback selbst viel über Stereotype.

Für den ersten Band starteten Beese und Rousseau eine Crowdfunding-Kampagne, die auf viel Resonanz stieß. Und schon bald fingen die Leser*innen an, nach einer Fortsetzung zu fragen. Im April erschien dann der zweite Teil, „Die Schatzsuche“. Darin gehen die Berlinchen auf Rätseljagd auf dem Tempelhofer Feld.

Auch privat setzt Beese sich für Vielfalt und Empowerment ein – etwa in der Elterninitiative der Regenbogenschule. „Das ist ja in Neukölln ein großes Thema“, sagt Beese und erzählt von Kindern, die bereits in Kita oder Grundschule Diskriminierung ausgesetzt seien. „Wir sind eigentlich extra nach Neukölln gezogen, weil das ein Ort ist, an dem man Vielfalt überall begegnet“, sagt Beese. Doch es gebe die gleichen Probleme wie überall. Mit ihren Büchern will Beese einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich das ändert.

Die beiden bisher erschienenen Bände der „Nelly und die Berlinchen“-Reihe gibt es in verschiedenen Buchhandlungen und online zu kaufen.

Foto: privat

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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