Nachbarschaft

Veröffentlicht am 02.10.2019 von Caspar Schwietering

Seit Anfang Juli leitet Uwe Krzewina die Volkshochschule Neukölln. Krzewina stammt aus dem Nachbarbezirk Treptow-Köpenick. Mit Neukölln verbinde er aber sehr viele gute Erinnerungen, sagt er. So ist er am Grenzübergang Sonnenallee 1989 das erste Mal in den Westen gefahren, sein Kind ist in einem Neuköllner Krankenhaus zur Welt gekommen und sein Vater hat im Britzer Garten geheiratet.

Mit 43 Jahren ist Krzewina recht jung zum Direktor der Neuköllner Volkshochschule geworden und könnte hier bis zu seiner Pensionierung eine Ära prägen. Erst mal darf Krzewina aber Jubiläum feiern. Am 9. Oktober wird die Volkshochschule Neukölln hundert Jahre alt.

Herr Krzewina, Neukölln ist ein sehr spezieller Bezirk. Vor welche Herausforderungen stellt das die Volkshochschule?

Wir haben hier das Problem, dass wir eine sehr diverse Einwohnerschaft haben. Die südlicheren Bezirksteile haben ein etwas bürgerlicheres Publikum, als die nördlichen. Und insbesondere Nord-Neukölln ist wiederum sehr durch Migration geprägt. Kein Ortsteil ist wie der andere. Wir haben einen Innenstadtbereich und Gegenden die fast ländlich sind. Wir müssen deshalb mehrgleisig fahren, um alle im Bezirk zu erreichen.

Welche Menschen nutzen denn ihre Angebote?

Vom migrantischen Publikum erreichen wir fast alle in Neukölln. Denn viele Menschen, die aus dem Ausland nach Neukölln ziehen, machen irgendwann mal einen Deutschkurs bei uns. Ansonsten hängt es davon ab, ob die Leute die Volkshochschule überhaupt kennen. Wir können da immer nur versuchen viel zu trommeln, um die Volkshochschulen bekannter zu machen. Das gelingt uns aber nicht wirklich gut, wir haben hier in der Verwaltung derzeit niemanden, der sich allein um Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Ich will aber im nächsten Jahr eine halbe Stelle dafür einrichten. Wenn die Menschen die Volkshochschule kennen, haben wir eigentlich schon gewonnen. Denn aus Befragungen wissen wir, wer einmal zur Volkshochschule kommt, kommt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder.

Und wer sitzt dann vor allem in ihren Kursen?

Die meisten unserer Teilnehmer sind zwischen 35 und 65 Jahren alt, haben eine gute Bildung und drei Viertel sind Frauen. Studenten und Schüler aber auch Menschen ohne Abitur kommen dagegen weniger häufig und meist sehr gezielt in die Volkshochschulen.

Mit welchen Angeboten locken Sie diese Gruppen?

Studenten machen sehr gerne Sprachkurse bei uns, seitdem die Universitäten ihr Angebot da deutlich reduziert haben. Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau kommen meistens für beruflich orientierte Fortbildungen. Entscheidend ist zudem, ob wir den Menschen Kurse in ihrer Nähe anbieten können. Da haben wir zum Teil ein Problem in Neukölln. In Nordneukölln haben wir sehr viele Angebote. Aber im Süden sind wir nur an wenigen Standorten vertreten. Da gibt es große weiße Flecken. Da haben wir viel zu tun. Wichtig ist auch ein guter Webshop. Bald können die Menschen direkt Kurse buchen und bezahlen, ohne vorher ein Nutzerkonto einrichten zu müssen.

Was wollen Sie in den nächsten Jahren bei der Volkshochschule Neukölln erreichen?

Viel! Es wird in den nächsten Jahren neue Lehrstätten geben, wir werden im Süden des Bezirks wachsen. Das gut vorzubereiten wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Dann wird es ganz wichtig die Volkshochschule bekannter zu machen. Außerdem will ich den offenen Programmbereich ausbauen. Denn unser Angebot an Sprach- und Integrationskursen stößt an Grenzen, weil die Zuwanderung nach Deutschland eher zurück geht. Diesen Rückgang wollen wir kompensieren durch klassische Volkshochschularbeit – also Angebote für alle.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Neukölln entnommen. Den gibt’s in voller Länge (und kostenlos) hier: leute.tagesspiegel.de 

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Foto: Caspar Schwietering

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