Nachbarschaft

Veröffentlicht am 25.03.2020 von Madlen Haarbach

Die Lehrer*innen der Otto-Hahn-Schule wollen Solidarität zeigen – und ihre Schüler*innen daheim zum Lernen animieren. Dafür haben Sie eine Foto-Aktion in den sozialen Medien gestartet.

Initiatorin Nur Şeyda Kapsiz-Fekete (im Bild in der Mitte mit dem Schild „eure Aufgaben“) ist Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Darstellendes Spiel und Türkisch. „Ich habe die Aktion gestartet, weil ich bei Lehrern in der Türkei solch eine ähnliche Aktion gesehen habe und mir dachte: Warum nicht mit unseren Kollegen zusammen?“, erzählt sie am Telefon, „wir sind ja schließlich auch Vorbilder.“ Gesagt, getan. Über eine interne Whatsapp-Gruppe organisierten sich einige der Lehrer*innen am Anfang der Woche. „Und zack, war die Collage fertig“, sagt Kapsiz-Fekete und lacht. Dafür dankt sie all ihren Kolleginnen und Kollegen.

Die Lehrer*innen haben zwei Collagen mit insgesamt 18 Fotos erstellt. In einer sagen sie: „Liebe Schülerinnen und Schüler, #bleibtzuhause  Macht eure Aufgaben, lest viele, viele Bücher, eure Lehrer*innen“. In der anderern lautet die Nachricht: „#bleibtzuhause, vielen Dank an alle in den Medien, im Verkauf, bei der Polizei, #bleibt gesund! Die Lehrer*innen der Otto-Hahn-Schule.“ Die Fotos sollten die Schüler*innen motivieren, damit sie ihre Aufgaben erledigen, die sie per Post bekommen. „Gleichzeitig wollten wir Solidarität zeigen und etwas Positives bewirken“, sagt Kapsiz-Fekete.

Veröffentlicht haben die Lehrer*innen die beiden Fotocollagen auf Instagram, Facebook und bei WhatsApp. „Die Schüler*innen haben die Collagen gesehen und selbst weiter verbreitet, weil sie cool fanden, wie die Lehrer reagieren“, sagt Kapsiz-Fekete. „Ich habe zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe mit meiner siebten Klasse. Die Siebtklässler meinten sofort, Frau Kapsiz machen Sie sich keine Sorgen, wir machen alle unsere Hausaufgaben“, erzählt die Lehrerin. „Das war sehr erfreulich und ich dachte mir: Ja, wir erreichen etwas bei unseren Schüler*innen.“

Generell laufe gerade sehr viel Unterricht über verschiedene WhatsApp-Gruppen, die sie mit ihren Schüler*innen habe, erzählt Kapsiz-Fekete. Die Oberstufenschüler*innen müssten ihre Hausaufgaben zu bestimmten Deadlines per E-Mail an sie schicken, dann gebe sie ihnen schriftliches Feedback. Jüngere Schüler*innen sollen die Aufgaben gesammelt nach den Osterferien abgeben. „Die Schüler aus der siebten Klasse sind noch nicht so E-Mail-affin“, sagt Kapsiz-Fekete. Fragen kläre sie mit allen Schüler*innen in den WhatsApp-Gruppen.

Erstmal klappe der Unterricht so ganz gut, sagt die Lehrerin. „Wir sind da wirklich ins kalte Wasser gesprungen. Innerhalb von drei oder vier Tagen mussten wir Aufgaben für die nächsten drei Wochen vorbereiten“, erzählt sie. Vorher habe sie kaum digital mit den Schüler*innen gearbeitet. Einige Schüler*innen hätten gar keinen Computer. Die erledigen die Aufgaben jetzt handschriftlich und schicken der Lehrerin Fotos der beschriebenen Blätter. „Wir sind nicht wirklich auf den digitalen Unterricht vorbereitet, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagt sie. „In der digitalen Schulbildung muss generell noch ganz viel passieren.“ Jede*r habe jetzt erst einmal eine vorläufige Methode gefunden, aber „auf Dauer wird das schwierig“, sagt sie. Gleichzeitig sammeln die Lehrer*innen aber auch Erfahrungen mit digitalen Schulformen, die sie auch in der Zukunft nutzen wollen.

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.