Nachbarschaft

Veröffentlicht am 15.04.2020 von Madlen Haarbach

Marie Förderer ist Modedesignerin, Schnittmacherin und Musternäherin. Nach ihrer Elternzeit wollte sie sich mit der Produktion von upcycelter Kindermode selbstständig machen und diese auf Märkten verkaufen. Dann kam Corona – und Förderer bangte, wie viele Solo-Selbstständige, um ihre Zukunft. Ihre vorläufige Lösung: Designer-Masken als Mund-Nasen-Schutz.

„Eigentlich wollte ich jetzt diesen Frühling und Sommer anfangen, Kinder-Upcycling-Mode auf Märkten zu verkaufen“, erzählt Marie Förderer am Telefon. „Ich habe da im Dezember schon angefangen, das hat super Spaß gemacht, mich schon auf Märkten angemeldet und bezahlt – dann kam Corona dazwischen.“ Zunächst versuchte sie, ihre selbstgemachte Kleidung noch über ihren Onlineshop im Internet zu verkaufen. „Ich habe aber gemerkt, dass die Leute – verständlicherweise, wie ich selber auch – gerade keine oder wenig Kleidung kaufen“, sagt Förderer. Daher dachte sie sich, dass sie mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten etwas anderes produzieren könnte: Mund-Nasen-Masken.

Vor rund drei Wochen beschloss sie, eher spontan, zwei Nächte durchzuarbeiten, die Produktion zu starten und einen Onlineshop aufzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Architekten, der derzeit im Home Office arbeitet, kümmert sie sich parallel um die 18-Monate alte Tochter. „Ich bin total glücklich, wie es gerade läuft, aber es ist natürlich – wie für alle in der momentanen Situation, gerade die, die auch Kinder haben – auch eine Herausforderung“, sagt Förderer.

Die Masken näht sie in ihrer eigenen Werkstatt, die sich direkt neben ihrer Wohnung befindet. „Das ist natürlich aus der Not heraus geboren. Ich habe vorher Arbeit und Geld investiert in die Kindersachen und dann überlegt – okay, was mache ich jetzt?“ Vor ihrer Elternzeit arbeitete sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, dorthin konnte sie jedoch auch nicht zurückkehren.

Förderer ist seit rund zehn Jahren als Designerin und Näherin tätig. „Es ist ein super schöner Beruf, aber es ist auch ein Handwerk, mit dem man in Deutschland einen schweren Stand hat, weil die Leute den Wert dieser Arbeit gar nicht mehr so richtig kennen und schätzen. Alle sind eben gewohnt, ein T-Shirt für vier Euro zu kaufen“, sagt sie. Für ihre Kindermode schneidert sie Stücke aus ausrangierter Kleidung, Stoffresten und Produktionsrückständen. „Auch Sachen, die Fehler oder ein Loch haben, kann man super für Kinderkleidung verwenden, weil die Schnittteile sehr klein sind“, sagt sie.

Die Masken verkauft sie einzeln und im Dreierpack, ein befreundeter Barkeeper, ebenfalls aus Neukölln, liefert die Bestellungen mit dem Fahrrad in Berlin aus. Die Masken gibt es in verschiedenen Farben und bunt bedruckt im Pop-Design. Sie sind zweilagig und bei 60 Grad waschbar. Natürlich ersetzen die Masken keine medizinischen Schutzmasken und schützen auch nicht vor einer Ansteckung – sie sollen dennoch nach aktuellem Kenntnisstand das Risiko der Virenübertragung reduzieren.

Förderer bekommt zum Teil auch Kritik und Kommentare, weil sie die Masken nicht verschenke. „Ich finde das super und unterstützenswert, dass so viele gerade zu Hause nebenbei Masken nähen und verschenken. Das ist eine tolle solidarische Aktion. Aber es ist natürlich auch so, dass diese Menschen davon nicht leben müssen.“ Solidarisch zeigen will Förderer sich dennoch auch – über Ostern spendete sie fünf Euro pro verkaufter Maske an die Kindernothilfe und Menschen im Flüchtlingslager Moria in Griechenland.

Den Online-Shop finden Sie unter www.mas-ken.de.

Text: Madlen Haarbach, Foto: privat

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