Nachbarschaft
Veröffentlicht am 06.05.2020 von Madlen Haarbach

Der Mietvertrag des kollektiv betriebenen Cafés k-fetisch in der Wildenbruchstraße 86 läuft im Oktober 2021 aus. Bereits im vergangenen Jahr hat sich die Anwohner*inneninitiative „Für eine Zukunft mit k-fetisch“ gegründet, die sich für den Erhalt der Kneipe stark macht.
Kurz bevor die Ini am Donnerstag eine Unterschriftenaktion starten wollte, gab es nun erste gute Nachrichten: Die schwedische Immobilienfirma Akelius, die das Eckhaus vor rund einem Jahr gekauft hat (und durchaus einschlägig bekannt ist) hat sich laut Angaben der Ini zu Gesprächen mit dem Bezirksamt bereit erklärt.
„Als im vergangenen Jahr klar wurde, dass das Haus verkauft wurde und der Käufer auch noch die Akelius GmbH ist, gab es von Anfang an Irritationen bei vielen Anwohner*innen in dem Haus“, erzählt Kira Fuchs von der Initiative am Telefon. Über Akelius seien viele Geschichten in der Öffentlichkeit bekannt, vor allem was den Umgang mit Mieter*innen betreffe. Auch in dem Eckhaus habe eine Bürogemeinschaft bereits ausziehen müssen, weil sie sich nach einer Mietsteigerung die Räumlichkeiten nicht mehr leisten konnte. Im vergangenen Jahr organisierte die Ini auch ein Straßenfest, um Aufmerksamkeit zu erregen und gegen eine mögliche Verdrängung zu protestieren.
„Das k-Fetisch steht schon durch die Coronakrise, wie viele andere Cafés auch, stark unter finanziellen Druck“, sagt Fuchs. Die Initiative, die aus rund Bewohner*innen des Hauses, Nachbar*innen, Stammgästen und Mitarbeiter*innen des Cafés besteht, fordert eine langfristige Perspektive. Außerdem fordert die Initiative einen wirksamen Schutz von Gewerbemieter*innen, um Verdrängung vorzubeugen und zu verhindern.
Nach den neuen Entwicklungen will die Initiative auf ihre Petition erst einmal verzichten – den Prozess aber weiter verfolgen. „Wenn die Verhandlungen zwischen Akelius und dem Bezirk Neukölln bis Ende Juni zu keiner für uns zufriedenstellenden Lösung kommen, werden wir wie geplant mit einer Online-Petition und weiteren Aktionen den öffentlichen Druck intensivieren, um den Erhalt des k-fetisch zu sichern“, sagt Kira Fuchs. Aktuell sei es zwar schwierig, öffentlichkeitswirksame Aktionen zu starten und auch mit anderen Nachbar*innen ins Gespräch zu kommen.
Laut Angaben der Initiative ist der Verkauf des Eckhauses seit Herbst 2019 Gegenstand politischer und rechtlicher Auseinandersetzungen. So soll es den Verdacht geben, dass Akelius durch einen sogenannten „Share-Deal“ das Vorkaufsrecht des Bezirkes umgangen hat. Dagegen habe das Bezirksamt Ende 2019 eine Anordnung erlassen, durch die Akelius dem Bezirksamt die Unterlagen des Kaufes zur Prüfung vorlegen sollte. Einen entsprechenden Einspruch des schwedischen Unternehmens habe das Verwaltungsgericht abgewiesen.
Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) bestätigte auf Anfrage, dass das Bezirksamt mit Akelius im Austausch sei. Man habe sich vorgenommen, bis Ende Juni eine Lösung zu finden. Dass es bei dem Gerichtsverfahren über die Vorlage von Unterlagen bei (möglichen) Share Deals um das Eckhaus in der Wildenbruchstraße gegangen sei bestätigte er nicht – lediglich, dass das Bezirksamt bei Share Deals „genau hinschaue“.
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