Nachbarschaft
Veröffentlicht am 15.07.2020 von David Joram
Jonathan Dürr, 29, ist Initiator, Trainer und Organisator der Freizeitmannschaft SpVgg Birgit-Prinz Boateng, die regelmäßig in der Sonnenallee trainiert und in der Uniliga spielt. Ein Gespräch über knappe Niederlagen mit zwölf Toren Unterschied, gefährliche Schafsböcke und Fußballromantik.
Herr Dürr, Ihre Freizeitelf hört auf den Namen SpVgg Birgit-Prinz Boateng. Wie kam’s dazu? Ich muss gestehen: der Name ist leider geklaut.
Oh! Keine so originelle Geschichte. Ich hatte immer schon ein Uniliga-Fetisch und hab‘ zahlreiche Ligen im Netz durchforstet. Irgendwann blieb‘ ich mal bei dem Namen Birgit-Prinz Boateng hängen, der aus der Göttinger Uniliga stammt. Und als wir uns 2016 dann gründeten, kamen wir auf keinen besseren Namen. Die besten Ideen sind ja bekanntermaßen die geklauten. Da wollten wir keine Ausnahme machen. (lacht)
Das Kontaktverbot ist am Montag aufgehoben worden. Ab wann wird bei der Berliner Birgit-Prinz-Boateng-Mannschaft wieder richtig trainiert? Die Ansagen aus der Politik kamen sehr kurzfristig, deshalb wollen wir erstmal abwarten, bis tatsächlich alles geregelt und geklärt ist. In dieser Woche werden wir nochmal mit maximal zwölf Mann pro Halbfeld trainieren, parallel mit der zweiten Mannschaft des Rixdorfer SV; dort sind wir seit 2019 Mitglied und fühlen uns unter dem ersten Vorsitzenden Recep Dogan pudelwohl.
Vereinsmannschaften übten in den vergangenen Wochen vorwiegend Taktik und Passspiel. Wie vermittelt man das einer Freizeitelf, die vor allem bolzen will? Nachdem klar war, dass wir wieder loslegen können, war das erstmal egal. Alle hatten total Bock auf Gesellschaft und darauf, überhaupt wieder gegen den Ball treten zu können. Ich muss sagen: die Jungs haben gut mitgezogen – obwohl wir natürlich lieber „nur“ bolzen würden.
Und das Trainingsprogramm – vermutlich viele Sprints, Ausdauerläufe und Medizinball-Einheiten – haben Sie sich dann ausgedacht? Ganz so schlimm war’s nicht. Ich habe zum Beispiel auf der Homepage des DFB nach geeigneten Übungen geschaut, das waren dann Sprintspiele, Technikeinheiten, Passspielformen, darauf lag der Fokus.
Klingt professionell. Warum spielen Sie in einer Freizeit- und nicht in einer Vereinsmannschaft? Ich muss ehrlich zugeben, dass auch vieles für Vereinsfußball spricht, die bessere Organisation zum Beispiel. Wir haben eigentlich keine festen Strukturen, es ist immer ein ziemlicher Kampf, die Gruppe zusammenzuhalten. Umso besser, dass wir nun Mitglied beim Rixdorfer SV sind, das erleichtert doch einiges.
Und was sind die schönen Seiten des Freizeitfußballerdaseins? Das Spiel! Ganz ehrlich: Natürlich kommen bei uns nicht die allerbesten Fußballer zusammen; Spieler, die in einer regulären Vereinsmannschaft vielleicht nie Fuß gefasst hätten. Inzwischen zeigen wir aber einen halbwegs vernünftigen Großfeldfußball, sind sogar schon mal aufgestiegen und alle sind mit Herzblut dabei; das Zentrale sind die Geschichten auf dem Platz. Klar, wir haben auch schon mal 2:14 verloren, aber es gab eben auch schon Spielen, in denen wir in der Nachspielzeit zwei Elfer bei 1:2-Rückstand bekommen haben – leider ging nur einer rein. Der, der den zweiten Elfer verschossen hat, konnte an diesem Tag nicht mehr gut einschlafen.
Klingt heftig. Weitere Dramen? Ein 3:0 haben wir mal hergeschenkt, dann aber wenigstens noch 4:4 nach 3:4 gespielt. Und ein Spieler, der vor seinem Debüt bei uns nicht genau wusste, wo wir trainieren, stand mal völlig im Abseits. Er hatte sich auf Google Maps verlassen, stieg auf dem Weg zum vermeintlichen Ziel über einen Gartenzaun – und stand dann plötzlich auf einer Wiese einem Schafsbock gegenüber. Das Tier war wohl mächtig sauer – immerhin gelang unserem Spieler noch rechtzeitig die Flucht.
Ihre Elf hat also alle Höhen und Tiefen des Freizeitfußballs erlebt. Was kommt noch? Gerade planen wir ein Zentrum für alternative Fußballkultur, weil wir einfach so viele Leute haben, die krass dabei sind, die verrückt nach Fußball sind und die den Fokus abseits der kommerziellen Schiene legen wollen.
Wie sieht das konkret aus? Wir wollen mehr Sichtbarkeit für diese geile Szene schaffen und sind offen alle. Gerade sind wir auf der intensiven Suche nach einer Kneipe, am liebsten natürlich in Neukölln, die wir nach unseren Vorstellungen gestalten wollen. Da sollen dann kulturelle Veranstaltungen zu Fußballthemen stattfinden. Das ist das Ziel. Auf unserer Instagram-Seite @zafk_community kann man verfolgen, wie es da weitergeht. Foto: Lara Busch
- Mehr guten Kiezsport gibt’s auf unserem Twitter-Kanal @TspLeuteSport – gedacht auch als Forum für Teams und Vereine. Wenn zum Beispiel ein Team oder ein Verein sportlichen Nachwuchs sucht, dann verbreiten wir das gerne weiter. Natürlich auch hier im Newsletter.
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