Nachbarschaft

Veröffentlicht am 24.03.2021 von Madlen Haarbach

Ältere Menschen leiden in der Pandemie vermehrt unter Einsamkeit. Schüler:innen der siebten Klasse der Zuckmayer-Oberschule im Rollbergkiez wollen dagegen etwas tun: Gemeinsam mit ihrem Lehrer Hussein Kanaan engagieren sie sich seit einigen Wochen ehrenamtlich in der benachbarten Moro-Seniorenwohnanlage.

Hussein Kanaan ist Klassenlehrer und unterrichtet Französisch, Englisch und Sport. Parallel promoviert er zu den Themen Inklusion, Interkulturalität und Heterogenität. An der Zuckmayer-Schule unterrichtet er seit einem Jahr. „Unser Ziel war es, gegen die pandemiebedingte Einsamkeit vorzugehen und auch den Austausch zwischen den Generationen anzuregen“, erzählt er am Telefon. Die Schüler:innen seiner Klasse begleiteten die Bewohner:innen der Wohnanlage während einer ersten Projektwoche beim Einkaufen, halfen bei der Essensausgabe und -zubereitung und begleiteten die Menschen nach dem Mittagessen wieder in ihre Zimmer. Schüler:innen spielten Gesellschaftsspiele mit den Bewohner:innen oder gingen gemeinsam mit ihnen Eisessen.

„Gleichzeitig können die Schüler auch Fragen stellen, die wir vorher gemeinsam vorbereiten“, erzählt Hussein Kanaan. So hätten die Schüler:innen etwa mit einer 94-Jährigen über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg oder während des Mauerbaus gesprochen. Die ehrenamtliche Aktion ist als fortlaufendes und regelmäßiges Projekt geplant, künftig will Kanaan auch weitere Klassen einbeziehen.

Mit dem Projekt würden Schüler:innen auch ihre Berührungsängste verlieren: „Viele von ihnen haben eine Migrationsgeschichte und sonst nicht sehr viele Berührungsmöglichkeiten mit älteren deutschen Damen oder Herren“, erzählt Kanaan. Sowohl die Schüler:innen als auch die Bewohner:innen hätten sich sehr über das Projekt gefreut. Einige Bewohner:innen hätten berichtet, dass sie etwa seit Monaten ihre Kinder nicht mehr gesehen hätten, sagt Hussein Kanaan. „Das hat uns sehr berührt und man hat gemerkt, dass sie mit uns auch über persönliche Dinge sprechen und einfach froh über den Kontakt sind“, sagt er.

Foto: privat

Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.