Nachbarschaft
Veröffentlicht am 02.06.2021 von Madlen Haarbach
In ganz Berlin bilden sich aktuell Initiativen, die ihre Kieze in sogenannte Kiezblocks umwandeln und dabei in erster Linie den Durchgangsverkehr heraushalten wollen. Drei solcher Kiezblocks wurden am Montag von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschlossen, der Ball für die Umsetzung liegt nun beim Bezirksamt. Mehr dazu lesen Sie weiter unten in den Meldungen.
Eine der Initiativen ist die Kiezblock-Initiative Reuterkiez. Die Engagierten hätten sich im Oktober das erste Mal getroffen, erzählt Barbara Heuser von der Initiative am Telefon. Das Treffen sei damals von der Organisation Kiezconnect initiiert worden. „Und es stellte sich schnell heraus, dass diejenigen, die da waren, Interesse an Verkehrsthemen haben“, erzählt Heuser. Einige ihrer Mitstreiter:innen hätten sich auch früher schon mit Verkehrs- und Fahrradthemen beschäftigt, etwa beim Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln. Seither treffen sich die fünf bis sechs Aktiven jede Woche digital, um ein Konzept für den Reuterkiez zu planen.
„Wir haben den Winter genutzt um uns Gedanken zu machen, wie das überhaupt funktionieren könnte“, erzählt Barbara Heuser. Hauptanliegen der Initiative sei es, den motorisierten Durchgangsverkehr aus dem Reuterkiez herauszuhalten. Davon sei der Kiez stark betroffen, weil viele Autofahrer:innen in die Nebenstraßen ausweichen würden, wenn etwa der Kottbusser Damm oder die Sonnenallee verstopft seien. Seit die Friedelstraße asphaltiert wurde, werde auch diese sehr gerne von Autofahrer:innen genutzt. „In der Weserstraße gibt es auch noch eine Grundschule, da herrscht häufig totales Chaos, weil in zweiter Reihe geparkt wird und dann gar kein Durchkommen mehr ist“, beschreibt Barbara Heuser die Lage.
Einer ihrer Mitstreiter:innen sei Stadtplaner, was natürlich hilfreich sei, erzählt Heuser. Ihr grobes Konzept sieht vor, dass alle Straßen nach wie vor mit dem Auto erreichbar sind. „Wir wollen die Autos ja nicht komplett rausschmeißen und die Einwohner sollen zu ihren Häusern fahren können.“ Das ließe sich durch Einbahnstraßen-Regelungen und einige wenige modale Filter, also etwa Poller an Kreuzungen, die das Durchfahren verhindern, erreichen. „Dann muss man nur hoffen, dass die Autofahrer sich an die Regelungen halten“, sagt Heuser.
Außerdem wünscht sich die Initiative eine bessere Aufenthaltsqualität im Kiez – Grünflächen und Spielplätze gebe es bislang kaum. Wichtig sei ihnen aber, dass der Kiezblock nicht zu einer weiteren Gentrifizierung führen dürfe oder noch mehr Tourist:innen anziehe. „Das soll sozialverträglich und für die Anwohner eine Verbesserung sein“, sagt Heuser. Damit auch alle Anwohnenden mitziehen, setzt die Initiative auf ein sehr grobes Konzept und eine breite Beteiligung der Nachbarschaft. Demnächst soll die Unterschriftensammlung starten, damit ein entsprechender Antrag zu Beginn der neuen Legislaturperiode nach der Wahl im September in der BVV besprochen werden kann.
Foto: Die Initiative beim Nachbarschaftstag an der Hobrechtbrücke vergangenen Freitag
Quelle: privat
Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.