Intro

von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 15.03.2018

haben Sie einen Kleingarten? Dann werden Sie trotz des bevorstehenden Frühlings sicher gemischte Gefühle haben. Denn mit jeder Saison erhöht sich der Druck auf die knapp 100 Anlagen im Bezirk, insbesondere auf die (orts-) zentrumsnahen. Viele Kleingärtner treibt die immer offener gestellte Frage um: Wird es uns nächstes Jahr noch geben? Der derzeit im Senat aktualisierte „Kleingartenentwicklungsplan“ schwebt wie ein Damoklesschwert über ihren Lauben.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass aktuell die in Landeseigentum befindlichen KGA-Flächen von Senat und Verwaltungen gezielt für den Wohnungsbau gescannt werden. Sie eignen sich gut als Bauland, da sie häufig verkehrlich und infrastrukturell bereits erschlossen sind und schon als Potenzialflächen für Wohnungsbau im Flächennutzungsplan aufgeführt werden. Auch der ohnehin befristete Bestandsschutz für die Anlagen hilft nicht viel, denn er kann bei akuter Wohnungsnot außer Kraft gesetzt werden. Für viele Kleingärtner stellt sich nun die Frage: kämpfen oder wegducken? Viola Kleinau ist für Ersteres.

Die Vorsitzende des Kleingartenbezirksverbands Pankow warnt ihre Pächter davor, sich nun einzuigeln und die Augen vor der Realität zu verschließen. Sie sollten stattdessen aktiv werden und ihre Anlagen für die Nachbarn öffnen. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten schlägt Kleinau vor: „Man sollte sie zu Kleingartenparks umgestalten. Dann hätten sie für die angrenzenden Wohnquartiere eine andere Qualität.“

Kleinau hat ganz konkrete Ideen: Sie regt an, einen Teil der Parzellen zu Gemeinschaftsflächen umzugestalten, die auch die Anwohner nutzen können. Darauf sollten dann zum Beispiel Mehrgenerationengärten, Lehrpfade, Spiel- oder Blumenwiesen mit Sitzbänken oder Urban-Gardening-Projekte möglich sein, auch Therapiegruppengärtnern für Behinderte oder Seminare seien denkbar. „Aber auch für Kiez- oder Straßenfeste sind Kleingartenanlagen ein guter Ort“, so Kleinau. „In diesem Jahr planen wir in Pankow einen Weihnachtsmarkt rund um die Kleingartenanlage Alte Baumschule in der Hermann-Hesse-Straße.“

Es sei aber nicht so leicht, neue Ideen in die Köpfe der Kleingärtner zu bekommen. „Die Denke ist leider allzu oft: So lange es mich nicht betrifft, interessiert es mich auch nicht“, sagt Kleinau. „Manche Anlagen schließen noch immer die Eingangstore ab. Aber sie müssen jetzt aktiv werden, sonst ist es zu spät.“ So oder so ist sie für ihre Pankower Vereine realistisch genug: „Ich gehe ganz stark davon aus, dass wir dauerhaft nicht alle halten können werden.“

Das ganze Interview finden Sie am Wochenende in der Printausgabe und im E-Paper.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.