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von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 03.05.2018

Der Kampf um das Grün tobt. Bisher gab es reichlich Freiflächen in Pankow, doch mit jedem neuen Nachbarn (siehe Rubrik Nachbarschaft) nehmen auch die Nutzungskonflikte zu. Bundesweite Aufmerksamkeit erregte der Vorfall der Schafsgriller im Volkspark Friedrichshain, der zumindest gefühlt auch zu Prenzlauer Berg gehört. Hier hat die Nutzung eine neue Stufe erreicht, wie auch in anderen innenstadtnahen Parks, wo man teilweise das Grün vor Menschen, Müll und Hundehaufen nicht mehr sieht. Eine weitere Frontlinie verläuft quer durch alle Pankower Ortsteile zwischen Hundehaltern und dem Rest der Bevölkerung. „Überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben“, wusste schon Peter Fox. Auch mein Kollege Helmut Schümann, selbst Hundehalter, hat sich im Tagesspiegel darüber echauffiert, dass viele Mitstreiter die Hinterlassenschaften ihrer Liebsten einfach liegen lassen, vorzugsweise auf dem Bürgersteig und auf Grünflächen. „Vielleicht sind die Haufen auch mehr geworden in jüngster Zeit, weil auch in allen möglichen anderen Bereichen die alltägliche Rücksichtslosigkeit um sich gegriffen hat“, schreibt er. Den Artikel finden Sie hier.

Aber auch die zunehmende Verdichtung und das Verschwinden von Freiräumen verschärfen diesen Konflikt. Für die Innenstadt gilt die Faustformel: Sobald es nur ein bisschen Grün gibt, liegen Haufen drin. Einer der größten Hotspots für Müll und Hundehinterlassenschaften im Bezirk ist laut Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD) der Thälmannpark in Prenzlauer Berg, eine der wenigen großen Grünflächen in einem extrem dicht besiedelten Gebiet. Hier wird der Berliner Richtwert von sechs Quadratmetern wohnungsnahem Grün pro Kopf ohnehin massiv unterschritten, und jeder vermüllte Quadratmeter Park verschärft die Lage noch. Längst kursieren in dieser Ecke des Bezirks Geheimtipps mit halb-öffentlichen Grünflächen, die (noch) von der totalen Vermüllung verschont geblieben sind.

Wer am vergangenen Wochenende im Bezirk unterwegs war, konnte das Phänomen der Unbenutzbarmachung von Grünflächen aber auch anderenorts eindrucksvoll beobachten. Laut Tagesspiegel.de-Leser „indoor07“ ist zum Beispiel das Naturschutzgebiet Karower Teiche massiv vom Fox’schen Phänomen betroffen. Ein ähnliches Bild bietet sich laut Pankower CDU im Hundeauslaufgebiet Blankenfelde. Viele würden „den Dreck einfach in den Wiesen oder auf den Wegen liegen“ lassen oder die Kotbeutel „in die umliegenden landwirtschaftlich genutzten Felder“ werfen. Die Partei brachte deshalb einen BVV-Antrag ein und durch, dort Mülleimer aufzustellen. Ob es hilft?

Klar ist: Die Intensität und Art der Grün-Nutzung hat allerorten zugenommen, ob es um Sport, Grillen oder Gassigehen geht. Gleichzeitig nimmt offenbar die Bereitschaft ab, pfleglich mit dem öffentlichen Grün umzugehen. Einer Studie der Humboldt-Universität zufolge sind Einwegverpackungen und To-Go-Mentalität gepaart mit zu kleinen Mülleimern inzwischen ein drängenderes Problem als Hundehaufen, vor allem junge Erwachsene handeln demnach nach dem Motto: Nach mir die Plastikflut.

Immerhin will Pankow nun einmal definieren, welche Flächen künftig als Naherholungsgebiete gesichert werden sollen, im Rahmen eines „landschaftsplanerisches Rahmenkonzepts“ (siehe Namen & Neues). Ziel der Sache: mehr Grün für unterversorgte Gebiete schaffen und Maßnahmen für eine höhere Aufenthaltsqualität in bestehenden Grünflächen entwickeln. Mehr Grün für Pankow gäbe es vermutlich schon, wenn jeder nur einmal zupacken würde – an die eigene Nase. Wir fangen hier im Newsletter gleich mal damit an, mit einer kleinen Sonderausgabe zum Thema „Grünes Pankow“.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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