Intro

von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 11.05.2018

Sie wohnen in Pankow? Dann dürfen Sie sich glücklich schätzen. Denn eine Bleibe im Bezirk ist inzwischen ein teures Gut. Mietwohnungen für unter acht Euro pro Quadratmeter Kaltmiete findet nur noch, wer mit der Lupe sucht. Das belegt der aktuelle IBB-Wohnungsmarktbericht. Doch selbst wer noch eine günstige Wohnung hat, muss sich sorgen. Derzeit werden flächendeckend Sozialwohnungen aufgemöbelt, um sie teurer vermieten zu können. Ganz vorn dabei: Deutschlands größte Vermieter Vonovia und Deutsche Wohnen, die einst große kommunale Bestände aufgekauft haben. Der Deutsche Mieterbund wirft ihnen vor, sich nun „eine goldene Nase“ auf Kosten der Schwächsten zu verdienen.

Ganze Häuserblöcke lasse man erst verfallen, um sie dann teuer zu sanieren und die Kosten auf die Mieter umzuwälzen. In Pankow kennt man das unter anderem in den Wohnanlagen Grellstraße, Topsstraße oder Bleicheröderstraße. Renditen von knapp acht Prozent ergeben sich durch die Bewirtschaftung und Modernisierung heruntergekommener Mietshäuser, schreibt mein Kollege Ralf Schönball in seinem Artikel, ganz legal und vom Gesetzgeber belohnt. Die Kosten der „energetischen Sanierung“, können nämlich zu elf Prozent auf die Miete aufgeschlagen werden, die Klimawende müssen so die Finanzschwächsten zahlen. Und zwar nicht nur, bis die Bauinvestition abgegolten ist, sondern lebenslang. Die Mieterhöhung werde „nie wieder rückgängig gemacht“, so der Mieterbund. Er fordert nun, die Umlage der Modernisierungskosten auf Mieter von elf auf vier Prozent zu senken. Widerstand dagegen kommt vor allem von der vermieternahen CDU.

So schwinden die günstigen Wohnungen in Berlin immer weiter, um knapp sechs Prozent sank der Bestand an Sozialwohnungen allein im vergangenen Jahr. Laut IBB-Bericht liegt die mittlere Miete in Berlin inzwischen bei 10,32 Euro kalt pro Quadratmeter. Pankow liegt mit 10,86 Euro/m² auf Rang vier – eine Steigerung um 1,40 Euro oder 15 Prozent in nur zwei Jahren. Die Eigentumswohnungen in Pankow sind sogar die zweitteuersten der Stadt. 4176 Euro kostet der Quadratmeter im Mittel. Nur Mitte ist noch teurer.

Je citynäher, desto teurer. Das ist das grobe Muster im Bezirk, ob Eigentums- oder Mietwohnung. Prenzlauer Berg ist wie erwartet ganz vorn – besonders viel Moos braucht man dort innerhalb des S-Bahn-Rings mit durchgehenden Höchstwerten von 12 Euro (Miete) oder 4500 Euro und mehr (Eigentumswohnung) pro Quadratmeter. Letzte Geheimtipps im Bezirks sind (noch) das Mühlenviertel in Prenzlauer Berg mit Mieten unter acht Euro und Karow Nord und der Ostteil von Buch (zwischen acht und neun Euro Kaltmiete).

Flächendeckend teuer sind dagegen längst Alt-Pankow, Niederschönhausen und die Weißenseer Kieze Parkstraße und Komponistenviertel mit Mietpreisen zwischen zehn bis elf Euro. Wer rund um den Weißen See eine Wohnung kaufen will, muss schon genauso viel auf den Tisch legen wie in Prenzlauer Berg, nämlich mindestens 4500 Euro/m². Aber auch die Langhansstraße ist ein zunehmend teures Pflaster, hier liegen die mittleren Preise zwischen 4000 und 4500 Euro.

Ein- und Zweifamilienhäuser in Pankow haben sich dagegen im Berliner Durchschnitt eingependelt. Sie kosten im Regelfall zwischen 350.000 und knapp 500.000 Euro, allerdings steigen die Preise auch hier. Spitzenreiter sind Rosenthal, Alt-Pankow, Wilhelmsruh, Blankenfelde und das Blumenviertel in Prenzlauer Berg mit Preisen von 450.000 Euro aufwärts. Und aufwärts zeigt laut IBB auch die Tendenz fürs nächste Jahr. Ernüchterndes Fazit: Wer in Pankow leben will, braucht Geld. Und zwar von Jahr zu Jahr mehr.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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