Intro

von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 17.05.2018

Berlin braucht Wohnungen. Und Schulen, Kitas, Sportplätze. Dafür wird in der ganzen Stadt nach Grundstücken gesucht, bevorzugt landeseigenen. Auch in Pankow wird um jeden Quadratmeter und jede Wohnung gerungen (siehe Namen & Neues), rund um Blankenburg, an den einstigen Güterbahnhöfen Pankow und Greifswalder Straße oder an der Elisabethaue. Umso erstaunlicher, dass es trotzdem noch immer prominente Geisterflächen gibt, bei denen eine Revitalisierung nicht absehbar ist. Ein Beispiel: Mitten im Bezirk liegen mehr als zwei perfekt erschlossene Hektar praktisch brach. Das Areal des alten Straßenbahnbetriebshofs Niederschönhausen an der Dietzgenstraße ist seit fast zwei Jahrzehnten im Dornröschenschlaf versunken. 1999 wurde das Tramdepot de facto ausrangiert, nur in Sonderfällen wie Gleisarbeiten wird es noch genutzt. Wegen Einsturzgefahr sind Teile der Hallen gesperrt, selbst als Stellplatz für historisch wertvolle Straßenbahnen und Busse wird das Gelände seit 2017 nicht mehr genutzt. Nur noch ein paar ausrangierte BVG-Trams warten hier darauf, irgendwann verkauft oder verschrottet zu werden.

Mancher fragt sich nun, ob Pankow sich auf diesem landeseigenen Grundstück auch künftig einen Industriefriedhof dieser Dimension leisten kann. Eine Nutzung als Standort für Wohnungen, Gewerbe oder öffentliche Infrastruktur böte sich hier geradezu an. Doch die ist nicht in Sicht.

Dabei will die landeseigene BVG den Betriebshof unbedingt loswerden, zu klein und unretabel ist er. Durch den Grundstücksmangel in Berlin hat der Wert des Areals auch prinzipiell stark zugenommen. Es ist zudem recht verkehrsgünstig gelegen (logischerweise an der Tramlinie) und groß genug für eine Schule oder mehrere Hundert Wohnungen. Zum Vergleich: Das umstrittene Areal des Güterbahnhofs Greifswalder Straße, auf dem der Investor Christian Gérôme 600 Wohungen bauen will, ist nur 0,8 Hektar größer.

Doch alle Verkaufsbemühungen der BVG seit 2015 scheiterten. Nach Tagesspiegel-Informationen verhandelte man mit mehreren Interessenten, die am Ende alle absprangen. Unter anderem das Deutsche Technikmuseum, das man dazu bewegen wollte, dort eine Ausstellung zur Straßenbahngeschichte einzurichten. Das Grundproblem: Weil die Hallen unter Denkmalschutz stehen und gleichzeitig nur mit immensem Kostenaufwand zu sanieren wären, ist das Depotgelände quasi unbenutzbar. Dadurch ist weder eine rentable Vermietung möglich, noch darf man für neue (Wohn-)Häuser die Abrissbirne schwingen.

Der einzige Ausweg aus dieser verfahrenen Situation wäre wohl, wenn alle an einem Strang zögen, wenn Denkmalschutz, Bezirk, Land, BVG und eventuell landeseigene Baugesellschaften gemeinsam ein Lösung suchen würden, das Areal im Herzen Pankows zum Leben zu erwecken. Damit ist vorerst nicht zu rechnen. Die BVG hat die Verkaufsbemühungen eingestellt. „Es besteht derzeit keine Absicht, das Gelände zu verkaufen, die BVG nutzt es weiterhin für den eigenen Fuhrpark“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage knapp mit. Während andernorts weiter um jeden Quadratmeter gerungen wird, wird dieses teure Industriedenkmal ohne praktischen Nutzen Pankow also wohl noch auf Jahre hinaus erhalten bleiben.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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