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von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 05.07.2018

Pankow ist Berlins Kleingartenhochburg – mit mehr als 10.000 der stadtweit 70.000 Parzellen, und 30.000 Nutzern. Fast jeder zehnte Pankower ist also Kleingärtner. Und das soll auch so bleiben: Der Bezirk lehnt eine Bebauung seiner Kleingärten kategorisch ab. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) fasste am Mittwoch einen entsprechenden Beschluss. Darin heißt es: „Die BVV Pankow verfolgt das strategische Ziel, alle im Bezirk vorhandenen Kleingartenanlagen dauerhaft planungsrechtlich zu sichern.“ Derzeit wird im Senat der Kleingartenentwicklungsplan erneuert, und viele Pankower Kleingärten fürchten die Verdrängung durch Wohnbau. Als akut gefährdet eingestuft werden die Anlagen am Schloßpark I in der Wolfshagener Straße und Bornholm I und II in Prenzlauer Berg. Auch die Anlagen links und rechts der Tino-Schwierzina-Straße in Heinersdorf gelten als bedroht.

Das Bezirksamt soll sich laut BVV-Beschluss nun gegenüber der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und dem Abgeordnetenhaus dafür einsetzen, „das alle im Bezirk Pankow vorhandenen Kleingartenflächen im Flächennutzungsplan von Berlin die Einstufung als Grünfläche behalten oder zukünftig erhalten“. Außerdem soll das Bezirksamt sich für eine Verlängerung der Schutzfristen für alle Anlagen bis mindestens 2030 einsetzen. Die Schutzfristen für die meisten Anlagen laufen 2020 aus.

Parallel dazu will der Bezirk selbst aktiv werden. 23 Anlagen sollen „vorrangig“ behandelt werden, nach dem Vorbild des Bezirks Lichtenberg soll ihr Status als Dauerkleingärten oder Grünanlage per Bebauungsplan gesichert werden. Das betrifft diese Anlagen: Alt-Karow (Strömannstraße), Alte Baumschule, Am Schloßpark I, Am Steinberg, Bornholm I und II, Edelweiß, Feuchter Winkel Ost und West, Gartenbau Nordend, Gartenfreunde Nordend, Gauert, Gesundheitsquell, Grüne Wiese, Hamburg, Heinersdorf, Hoffnung, Kirschplantage, Kühler Grund, Neu Berlin, Neu Hoffnungstal, Pappelgrund, Straße vor Schönholz.

Für weitere zwölf Anlagen soll die Sicherung per Bebauungsplan zudem geprüft werden: Am Bahnhof Wilhelmsruh, Berg und Tal, Birkengrund, Dreieck Nord, Freies Land, Frieden, Friedrichshöhe, Grabenwinkel, Humboldt, Lindenhof, Neues Heim, Nordland.

Allerdings kann der Senat die Genehmigung für einen Bebauungsplan verweigern. Dass man daher wohl nicht alle Anlagen retten können wird, räumt auch der Bezirksverband Gartenfreunde Pankow e.V. ein, der an der Beschlussfassung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen beteiligt war. Dennoch sei der BVV-Beschluss „ein wichtiges politisches Signal, dass die fortdauernde Gefährdung der KGA in Pankow von der Kommunalpolitik gesehen und nicht gewollt ist“, findet Viola Kleinau. Die Vorsitzende der Gartenfreunde Pankow bekräftigte ihr Ziel, die Anlagen gemeinsam mit dem Bezirksamt zu „Kleingartenparks“ umzugestalten, die auch Anwohner verstärkt nutzen können. Nur für soziale Infrastruktur wie Schulen, Turnhallen oder Kitas will Kleinau Kleingartenparzellen hergeben.

Durch die Festschreibung als Grün- und Gartenflächen soll auch die Spekulation mit Parzellen unterbunden werden. Laut Kleinau hat der Investor „BII Berlin Immo Invest“ in den vergangenen Jahren knapp 100 000 Quadratmeter in acht Pankower Kleingartenanlagen von privaten Parzelleneigentümern aufgekauft. „Ein Investor kauft sicher keine Flächen auf, um sie weiterhin als Grünflächen zu erhalten“, so Kleinau.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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