Intro

von Björn Seeling

Veröffentlicht am 02.08.2018

dieser Newsletter ist ein bisschen nostalgisch. Ich nutze dafür mal die Gelegenheit eiskalt aus, meinen Kollegen Christian Hönicke zu vertreten. Womit ich schon beim Thema wäre, wieso mir so nostalgisch zumute ist: Neulich saß ich fröstelnd im eiskalt runtergekühlten Kino „Colosseum“ und müsste plötzlich an die Zeit zurückdenken, als es hier noch keine Klimaanlage gab und keine zwölf Säle. Als ich klein war, sind meine Freunde und ich immer aus Pankow mit der „49“ angefahren gekommen, um im Colosseum, das damals nur einen großen Saal hatte, „Plattfuß am Nil“ mit Bud Spencer oder irgendeinen Louis de Funès-Film zu gucken. Auch im Hochsommer kamen wir dabei nicht ins Schwitzen.

Hinterher gab’s noch ein Softeis auf der Schönhauser, und dann brachte uns die Straßenbahn zurück nach Pankow, wo wir auf ein paar Köpper im Freibad vorbeischauten. Was sich bis heute nicht geändert hat: die Warteschlangen am Eingang (dazu noch mehr weiter unten). Aber dank Frau Schmidt waren die nie ein Problem für uns Kinder. Frau Schmidt? Sie war die Nachbarin unserer Eltern und besserte sich ihre schmale DDR-Rente mit einem Job an der Freibadkasse auf. Uns Gören hatte sie ins Herz geschlossen; sie selbst war kinderlos. Wenn Frau Schmidt Dienst hatte, dann genügte nur ein verschwörerischer Blick durch die Scheibe des Kassenhäuschens. Das Tor öffnete sich einen Spalt so dass wir – meistens im Dutzend auftretend – hineinschlüpfen konnten. Das Murren in der Schlange ließ unsere Kassengöttin an sich abtropfen: „Wer hier rinkommt, entscheide icke.“

Ich hoffe, Sie hatten früher auch solch eine Frau Schmidt.

Björn Seeling ist in Pankow geboren und aufgewachsen. Eines Tages zog es ihn in die Ferne – nach Prenzlauer Berg. Seit der Bezirksfusion ist es ja auch Pankow. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie einfach weiterhin eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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