Intro

von Constanze Nauhaus

Veröffentlicht am 16.08.2018

na, fleißig joggen gewesen diese Saison? Sagen Sie jetzt nicht, es war Ihnen zu heiß. Und im Winter ist es Ihnen dann wieder zu kalt! Bekanntlich kommen nur die Harten in den Garten, und weil der, so vorhanden, für Ausdauersport meist zu klein ist, zieht es einige Pankower zum Dauerlauf ins „nasse Dreieck“. Das ist dieses vergessene, immerhin 23.009 m² große Stück Wiese/Feld/Grün/Brache zwischen Brehmestraße und Mauerweg, eingegrenzt von S-Bahn-Gleisen. Und noch beliebter als bei Sportlern ist es bei Hundebesitzern, womit wir beim Thema wären: Wem gehört das nasse Dreieck?

Von nass kann momentan keine Rede sein: Die reinste Steppe breitet sich nach der zurückliegenden Dürreperiode vor dem Spaziergänger aus. Trotzdem, Anwohnerin Susanne S. geht hier gern joggen, erzählt sie beim gemeinsamen Spaziergang – eigentlich. „Für mich ist das die ideale Strecke“, sagt die junge Frau, doch leider komme es immer häufiger zu Zusammenstößen mit Hunden – und vor allem deren Besitzern. Diese nutzen das kaum frequentierte, weitläufige Stück urbane Wildnis gern, um ihre Tiere frei laufen zu lassen. Angesprungen worden sei sie schon häufig, erzählt S., doch neulich platzte ihr der Kragen: „Ein größerer Hund sprang mehrmals an mir hoch, die Besitzerin guckte zu.“ Als S., schon in Rage, diese aufforderte, ihren Hund zurückzupfeifen, habe Frauchen zurückgepampt: „Was müssen Sie hier auch joggen gehen!“

Kaum zu Hause, schrieb S. ans Ordnungsamt mit dem Vorschlag, doch am Eingang des nassen Dreiecks ein Schild aufzustellen mit der Bitte um gegenseitige Rücksichtnahme. Nüchterne Antwort der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der die Brache gehört: Man bedaure den Vorfall, verspreche sich von solchen Schildern aber keinen Erfolg, überhaupt erfolge das Betreten für jeden auf eigene Gefahr. „Die Hundebesitzer sehen das Gelände als ihr Hoheitsgebiet“, beschwert sich S. Das bestätigt eine entgegenkommende Hundebesitzerin: „Ich geh‘ hier schon seit zig Jahren Gassi, das ist ein Hundegebiet, das sehen auch alle so!“ Die Nachfrage bei der BImA, ob man auf der großen Fläche nicht ein eingezäuntes Hundeauslaufgebiet einrichten könne, ließ die Behörde bis Redaktionsschluss leider unbeantwortet. Motto: Einfach mal den Hund halten.

Constanze Nauhaus ist im Prenzlauer Berg aufgewachsen, arbeitet im Berlin-Ressort des Tagesspiegel sowie für die Prenzlauer Berg Nachrichten und freut sich über Lob und Kritik (NOCH mehr über ersteres) an constanze.nauhaus@extern.tagesspiegel.de. (Anregungen für künftige Newsletter nimmt unser King of Pankow Christian Hönicke entgegen: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.)

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