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von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 25.10.2018

Wohnquartier oder Schulstandort – wie geht es weiter mit dem ehemaligen Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee in der Hansastraße? 1911 erbaut, war es 2005 an ein deutsch-russisches Unternehmen verkauft worden. Das hatte angeblich vor, das Ensemble zu sanieren und in eine moderne Klinik zu verwandeln. Doch nichts passierte. Der einst imposante und noch immer denkmalgeschützte Bau verfällt seither zur Ruine, immer wieder gibt es hier Brände und Unfälle.

Das Landgericht Berlin veranlasste deshalb vor drei Jahren per Urteil die Rückübertragung an das Land. Diese steht nun vor dem Vollzug: Laut Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) wird die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) das Grundstück übernehmen, der Vertrag „wird in Kürze unterzeichnet“.

Nun geht das Gerangel um die Fläche los. Hier unterscheiden sich die Meinungen von Senat und Bezirk. Seitens des Senats gibt es verschiedene Wünsche, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (SenSW) präferiert laut Benn dabei eine künftige Nutzung als Wohnquartier. „SenSW schlägt grundsätzlich immer Wohnungsbau vor“, so Pankows zuständiger Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU). Das wollte vor kurzem auch der Bezirk noch: Benns Bürgermeistervorgänger Matthias Köhne (SPD) kündigte 2015 ein Wohnviertel auf dem 28.000 Quadratmeter großen Gelände an.

Inzwischen ist das Bezirksamt jedoch von der Idee der Wohnbebauung abgerückt. Es befürwortet angesichts des eklatanten Mangels an öffentlichen Einrichtungen in Pankow eher einen Standort für dringend benötigte Schulen und auch Kitas. Das habe man dem Senat bereits mitgeteilt, so Stadtrat Kühne.

Bis 2027 braucht Pankow etwa 11.000 zusätzliche Schulplätze. Allein in der Schulregion 5 (Weißensee/Heinersdorf), wozu auch das Areal des ehemaligen Kinderkrankenhauses gehört, fehlen laut Kühne mittelfristig „ca. 10 Züge (10 x Klasse 1 bis 6) = 1.440 Schulplätze“ im Grundschulbereich. Anders ausgedrückt: Es besteht Bedarf für mindestens zwei Grundschulen im Viertel. Laut Kühne würden theoretisch eine Schule und eventuell noch eine Kita auf das Areal passen.

Ob das aber auch praktisch möglich ist, sollen nun Untersuchungen und Gutachten ergeben. Nach jetzigem Stand darf das Gelände wegen des Denkmalschutzes nicht dicht bebaut werden, die Gebäude müssen sich am Bestand orientieren. Die Außenflächen sind zudem ein Gartendenkmal, auch wenn man davon nicht mehr viel sieht. Am heutigen Donnerstag berieten Bezirk und Senat im sogenannten Portfolioausschuss über das Areal, allerdings ohne Ergebnis. Kühne: „Eine Tendenz ist noch nicht absehbar.“

Tja, was braucht Pankow dringender: Wohnungen oder Schulen und Kitas? Wie würden Sie entscheiden?

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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