Intro

von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 01.11.2018

sie ist eine der Lebensadern Pankows: die Tramlinie M1. Sie verbindet die beiden Bäche aus Rosenthal und Niederschönhausen, nimmt in ihrem Hauptstrom Anwohner und Gäste aus Pankow und Prenzlauer Berg mit nach Mitte zur Spree. In Zukunft soll der Fluss geteilt werden. Der nördliche Bereich bis zum Bahnhof Pankow soll verdichtet, der südliche in der Innenstadt ausgedünnt werden.

Aktuell fährt die M1 alle 7,5 Minuten auf der Hauptlinie zwischen Kupfergraben und Pastor-Niemöller-Platz. Dort biegt sie wechselweise nach Rosenthal Nord oder zur Schillerstraße ab, auf diesen Abschnitten fährt also alle 15 Minuten eine Tram. Diese Taktverdichtung wurde erst im Dezember 2017 eingeführt, vorher fuhren die M1-Bahnen alle zehn bzw. 20 Minuten.

Künftig soll auf den beiden nördlichen Ästen alle zehn Minuten gefahren werden. Also gute Nachrichten für Rosenthal und Niederschönhausen. Der laut BVG besonders nachfragestarke Abschnitt zwischen Pastor-Niemöller-Platz und Bahnhof Pankow soll dadurch sogar einen 5-Minuten-Takt erhalten. So sollen Pendler aus dem Norden besser zum Bahnhof Pankow kommen, wo sie in S- oder U-Bahn umsteigen können.

Zwischen Bahnhof Pankow und Kupfergraben müssen sich die Anrainer dagegen offenbar wieder auf eine Verschlechterung einrichten. Laut der Stellungnahme der Verkehrslenkung Berlin an die Pankower BVV soll die M1 nicht im Fünf-Minuten-Takt zum Kupfergraben weiterfahren, „sondern der Bau einer Kehranlage in Höhe der Haltestelle Masurenstraße sieht eine Reduktion des Taktes auf 10 Minuten vor. Die Verstärkung der Linien soll am S+U-Bahnhof Pankow enden.“

Auf Nachfrage bestätigte die BVG die Pläne für den Zehn-Minuten-Takt südlich von Pankow. Dazu soll eine „neue Endstelle im Umfeld des Bahnhofs Pankow“ gebaut werden. Jede zweite Tram würde an dieser Kehranlage enden, um anschließend wieder gen Norden zu fahren.

Betroffen von der Ausdünnung wären vor allem die Wohngebiete entlang der Kastanienallee und des Weinbergswegs, die zwischen den U-Bahnlinien 2 und 8 liegen. Dort und auch nördlich der Eberswalder Straße sei die M1 in der Regel stark gefüllt, berichten Pankower Pendler. Warum also weniger statt mehr Straßenbahnen in der Innenstadt?

Ein Hauptgrund ist laut Verkehrslenkung Berlin die problematische Verkehrslage an der Kreuzung Schönhauser Allee/Eberswalder Straße. „Eine weitere Verstärkung der Takte kann an diesem neuralgischen Knotenpunkt nicht erstrebenswert sein, zumal entlang der Schönhauser Allee ein erheblich leistungsfähigeres Verkehrsmittel des ÖPNV parallel verkehrt.“ Gemeint ist die U2.

Also Tram-Bremse für Prenzlauer Berg und Mitte, um den Autoverkehr nicht zu behindern? Es sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen, so die BVG. „Letztlich maßgeblich ist die Bestellung durch den Aufgabenträger, also das Land Berlin.“ Mit der Fertigstellung der notwendigen Kehranlage sei ohnehin „frühestens Mitte der 20er Jahre“ zu rechnen.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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