Intro

von Constanze Nauhaus

Veröffentlicht am 08.11.2018

Bitte steigen Sie ein. Und in Französisch-Buchholz wieder aus. Denn dort steigen wir heute ein mit einem Aus-, nein, Aufreger aus dem Pankower Kleingartenmilieu. (Die sind für eine catchy Schlagzeile ja immer gut, siehe „Namen & Neues“.) Die Laubenpieper der KGA Am Feldweg, direkt hinter dem Friedhof in Französisch-Buchholz, sind jedenfalls richtig sauer: Ab 2019 sollen sie fünfmal so viel Geld für die Straßenreinigung bezahlen wie bisher – und sehen das überhaupt nicht ein. Zur Veranschaulichung: Bislang entfallen auf jede Parzelle jährlich knapp 54 Euro, ab 2019 sollen es fast 277 Euro sein – bei einem Pachtzins von etwas unter 135 Euro. „Unsere Anlage ist nur halbjährlich in Betrieb, außerdem gibt es keine Dauerbewohner“, sagt der KGA-Vorsitzende Manfred Peter. Das lasse die Verfünffachung doch noch fragwürdiger erscheinen.

Aber warum fegt die BSR hier derart durch? Die KGA liegt direkt am Rosenthaler Weg, und der wird seit Juli 2018 statt wie bisher ein Mal wöchentlich fünf Mal gereinigt, erklärt BSR-Sprecher Thomas Klöckner. Warum, kann auch er nicht sagen – solche Änderungen der Reinigungsklasse (wer’s genau wissen will: von A4 auf A2b) werden von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz verordnet. Die Kleingartenanlage gilt als Hinterlieger der vielbefahrenen Straße, entsprechend wird sie an der Straßenreinigungsgebühr beteiligt – und auch an der Erhöhung. Dagegen habe sich aber der Eigentümer der KGA zur Wehr gesetzt, so Klöckner. Und da der Fall noch in der Schwebe sei, treibt die BSR bislang die Forderung nicht ein. „Wir warten ab, wie sich der Fall entscheidet“, so Klöckner.

Und die Laubenpieper? Entschieden ist zwar noch nichts, aber: „Das wird höchstwahrscheinlich zu einer Kündigungswelle führen“, ist Peter überzeugt – denn viele der Unterpächter könnten sich das erhöhte Entgelt nicht leisten. Und so, befürchtet er, könnte auch diese KGA – wenn auch nicht bebaut, so doch – vernichtet werden.

Constanze Nauhaus ist im Prenzlauer Berg aufgewachsen, arbeitet im Berlin-Ressort des Tagesspiegel sowie für die Prenzlauer Berg Nachrichten und freut sich über Post an constanze.nauhaus@extern.tagesspiegel.de. (Anregungen für künftige Newsletter nimmt unser King of Pankow Christian Hönicke entgegen: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de)

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