Intro

von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 23.05.2019

wird der Mauerpark zur Radrennstrecke? Am Montag wurde der zweite Teil der Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung der Grünanlage präsentiert. Die soll bis 2022 erfolgen. Viele Dinge davon stoßen bei Anwohnern und Nutzern auf Zustimmung (siehe Namen & Neues). Doch mit Sorge betrachten einige die Bestrebungen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, den Park „fahrradfreundlich“ zu gestalten.

Weil der Bund das Geld gibt und eine Förderbedingung die „Barrierefreiheit“ ist, will die Senatsverwaltung die gepflasterte Schwedter Straße „glätten“. Allerdings nicht unbedingt für Rollstuhlfahrer: Die Straße durchzieht den Park von Nord nach Süd und ist Teil des Radfernwegs Berlin-Kopenhagen sowie ein Zubringer zum geplanten Radschnellweg „Panke Trail“.

Eine Asphaltierung der Schwedter Straße wurde schon vor 20 Jahren diskutiert – damals verhinderte die Pankower BVV das durch einen Beschluss mit einer SPD- und Linken-Mehrheit. Zwar begrüßt Alexander Puell vom Verein Freunde des Mauerparks die „erfreulich detaillierten Planungen“. Doch er kämpft für das Pflaster. Einmal aus historischen Gründen – es ist Teil der ehemaligen Bahnhofsanlage.

Außerdem prophezeit er Ärger im Park: „Wenn man da mit dem Argument der Barrierefreiheit eine Rennstrecke für Fahrräder einrichtet, gäbe es eine Beschleunigung. Das wird zu Konflikten und Verletzten führen.“

Zumal die Strecke ausgerechnet entlang der beliebtesten Attraktionen verläuft: der Spielfelder und -plätze, des Stadionhangs, des Amphitheaters. „Das war ursprünglich so gewünscht“, sagt Puell. „Nun würde es sich komplett beißen, weil die Leute nicht mehr gefahrlos hin- und herschlendern könnten.“

Das Problempotenzial der Schwedter Straße ist auch der Senatsverwaltung bewusst. „Dort sind Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern vorgezeichnet“, sagt Sprecher Jan Thomsen. Deshalb sei weiter offen, wie die Straße gestaltet werde. Als Alternative zur Asphaltierung werde laut Thomsen die Idee diskutiert, die Pflastersteine zu glätten: Man buddelt sie aus, sägt sie ab und setzt sie wieder ein. Allerdings warnt auch die Machbarkeitsstudie vor einem „Zielkonflikt bzgl. des Erhalts der Schwedter Straße als Original-Bestandteil des ehem. Grenzraums“.

Vor diesem Eingriff warnt auch Puell. Es passe nicht zusammen, „mit hohem Aufwand ein neues Denkmal in den Park zu setzen und gleichzeitig ein vorhandenes historisches Originalelement zu schleifen“. Denn zwei bei den Bauarbeiten gefundene Relikte des Kalten Kriegs sollen am Südeingang des Parks ausgestellt werden: neben dem Fluchttunnel, für den ein archäologisches Fenster geplant ist, auch die Panzersperre aus Beton.

Ähnlich zwiespältig betrachtet Puell das geplante „Funktionsgebäude“ in der Mitte des Parks, das vor allem Bedürfnisse von Radfahrern befriedigen soll. Hier sind laut Machbarkeitsstudie Radabstellplätze, Aufladestationen für E-Bikes und sogar Leihräderstationen angedacht. „Wir sehen keine Notwendigkeit für eine Fahrrad-Leihstation mitten im Park, damit zieht man noch mehr Radverkehr in den Park hinein“, sagt Puell. Zumal dafür der große Regenbogenspielplatz verlegt werden soll. „Der Spielplatz entstand vor wenigen Jahren durch Spenden von Anwohnern und viel ehrenamtliches Engagement“, sagt Puell. „Den kann man nicht einfach so wegschieben.“

Es sei grundsätzlich gut, den Radverkehr zu stärken, sagt Puell, aber „man sollte dabei nicht denselben Fehler machen wie einst mit der autogerechten Stadt und alles einem Verkehrsmittel unterordnen“. Gerade in Parks müssten langsame Fußgänger und Kinder Vorrang haben. Er schlägt deshalb vor, das Pflaster im Originalzustand zu belassen, dafür den angrenzenden schmaleren Gehweg zu sanieren und ihn barrierefrei für Rollstuhl- und Radfahrer zu gestalten. Die „raue Befahrbarkeit“ wirke wie eine Bremse und beuge Konflikten vor. „Jede Glättung würde das respektvolle Miteinander beeinträchtigen und zu Konflikten wie Verletzungen führen.“

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

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